Lebensgesetze der Kultur – Erster Teil – Das Wesen der Kultur

III. Die Dynamik der Lebewesen 4)

Kultur: die Lebensarbeit der Rasse

Je tiefer das Auge in den ungeheuren Wirrwarr der Kultur­geschichte hineinblickt, um so klarer treten ihm zwei her­vor­ra­gen­de Kräfte entgegen, die, einmal erkannt, auch das Zauber­wort werden, um Ordnung und Grösse in das wimmelnde Geschehen zu bringen. Diese beiden Kräfte sind: die Per­sön­lich­keit und die Rasse, der einzelne, seinem Drange nach­le­ben­de Mensch und die Einheit der Lebensempfindung in einer geringeren oder grösseren Menge Menschen. Fassen wir aber die Rasse nicht messend, sondern wägend auf, gehen wir von der Oberfläche zum Kerne, so wird zum Massstab der Rasse eben die Lebensempfindung selbst: und dann, aber nur dann ist auch die Persönlichkeit Rasse.

In diesem Sinne dürfen wir dann uneingeschränkter sagen: die äussere Kulturgeschichte ist bloss die begleitende Musik zum Schauspiel der Rassenentwicklung; und unbildlich gesprochen: Kultur ist die Lebensarbeit einer Rasse, die Seele aller Kultur ist die Rasse, des Menschen Werk stammt aus des Menschen Blut.

«Blut ist ein ganz besondrer Saft»,

dieses Scherzwort des rabulistischen Teufels gewinnt eine immer ernstere Bedeutung, und dass dem so ist, spricht für eine hoffnungsvolle Selbstbesinnung des Menschen: wenn sie auch erst bei einzelnen beginnt, wird sie doch wie ein Sauerteig auch in der grossen Menge der Lacher wirken. Gut Ding will Weile haben.

Die Rassenfrage ist eine Naturfrage und muss tief in das allgemeine Naturgeschehen hinabsteigen, ehe ihr das grosse Tor der Metaphysik Halt gebietet. Dann ist sie zwar nicht ge­löst, aber doch wenigstens so gut beantwortet, wie alle andren Weltfragen, die sich auch bescheiden müssen, wenn das Be­wusst­sein die längste Länge seines Senkbleis hergegeben hat. Ob dieses dann den Urgrund der Weltenwasser erreicht hat oder nicht, ist natürlich eine neue Frage, hinausgerufen in das echolose Nichts. Genug, wenn es uns scheint, als hätten wir tief unter den Wogen der Ereignisse festen Boden gefunden, und wäre es ein Korallenriff.

Wir haben keinen Namen für dieses Riff, um das die Wellen des Geschehens branden, und ob wir es Ding an sich, Geist, Seele oder Persönlichkeit nennen, ist Privatsache. Eines steht aber fest: dass alles Geschehen aus dem Inneren der Dinge quillt und, hinausgetreten, andren Dingen begegnet, auf die es wirken muss, aber nur wirken kann, wenn es wiederum in ihr Inneres hat hineindringen und in ihm aufgehen können. Für mich ist dieses innere «Geschehen an sich»: Tat 5), ein sich fort und fort individualisierender und derart ver­wirk­lich­en­der Tatendrang.

 

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