Die Goethelüge

Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern;
Was ihr nicht fasst, das fehlt auch ganz und gar;
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr;
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht;
Was ihr nicht münzt, das meint ihr, gelte nicht.

Goethe


Die Goethelüge ist eine scharfsinnige Kritik des Monismus, wobei die wissenschaftliche «Exzellenz» Ernst Haeckel, 1834–1919, dem Gründer der Deutschen Monistenbundes in Jena, 1906, einiges vorgeworfen wird. Eduard von Mayer hatte einen zusätzlichen Grund mit dieser weltbekannten Persönlichkeit in Konflikt zu stehen: Haeckel vertrat auch die Theorie von Magnus Hirschfeld über das dritte Geschlecht, welche Eduard von Mayer schon von Anfang an ablehnte. Einerseits sind Haeckel’s Gedanken sicherlich äusserst schätzenswert, er hat unter anderem das Wort Ökologie erfunden, andererseits gab es schon zu seiner Zeit grosse Zweifel bezüglich der wissenschaftlichen Lauterkeit einiger seiner Theorien, beispielsweise die Embrionenzeichnungen, die er als Beleg für die Entstehung der Arten im Sinne Darwins verwendete. Von Mayer bezieht sich in seiner Kritik auf das Buch Welträstel.

Nachfolgend der unterteilte Text von Eduard von Mayer. Original PDF


«Aber die wichtigste und zugleich dankbare Aufgabe dieser … Studie hat noch niemand gelöst, nämlich auf diesem Druckbogen in knapper und klarer Form die fundamentalen Widersprüche … gegenüber zu stellen.»

Mit diesen Worten fordert Exzellenz Haeckel, im seinem Nach­wort zu den «Welträtseln» zu einer Arbeit über Kant auf. Ich will mit solcher Arbeit unterziehen, nicht jedoch an Kant, sondern am Monismus. Exzellenz Haeckel irrt, wenn er be­schei­den meint, «dass der Monismus schon jetzt viel mehr Anhänger besitzt, als man gewöhnlich annimmt» – nicht erst jetzt, von jeher waren monistisch gesinnt alle Verworrnen, die ungeheure Mehrzahl der Menschen. Deswegen ist es endlich nötig die Widersprüche des Monismus knapp und klar gegen­überzustellen, um die Lüge seiner «Einheitlichkeit» zu zer­trüm­mern. Denn Exzellenz Haeckel irrt unbescheiden, wenn er fort und fort von den «Beweisen» des Monismus, von der «klaren einheitlichen Weltanschauung der modernen Natur­wissenschaft» faselt und vorgibt, der Monismus bediene sich «exakt naturwissenschaftlicher Methode» – in Wahrheit ist die Methode des Monismus genau die von ihm verhöhnte «herr­schen­de konfessionalistisch dogmatische» der Phrase. Und Exzellenz Haeckel irrt – unerlaubt, wenn er sich auf Goethe beruft, der «dieser Einheitsphilosophie» schon am Anfang des 19. Jahrhundert den vollendeten poetischen Ausdruck gegeben hat in seinen unsterblichen Dichtungen: Faust, Prometheus, Gott und Welt.

Nach ewigen, ehernen
Grossen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollenden.

Die Monisten berufen sich fort und fort auf die Autorität Goethes, weil sie damit den Bildungsphilister beruhigen kön­nen, der Goethe meistens ebenso wenig wirklich gelesen hat, wie Exzellenz Haeckel offenbar das Gedicht Goethes «Das Göttliche» aus dem die obigen Verse zitiert werden, diese aus dem Zusammenhang willkürlich herausreissend. Wie würde Exzellenz Haeckel über einen Forscher zetern der aus der Naturmannigfaltigkeit eine Teilbeobachtung herausrisse, etwa die Starrheit des Basaltes, und daher die Entwicklungslehre ablehnte … Er würde ihm weder als exakt, noch wissen­schaft­lich, noch überhaupt ehrlich, gelten lassen. Und genauso handelt Exzellenz Haeckel, wenn er mit obigen Goethe-Versen hausieren geht.

Diese Goethelüge des Monismus stelle ich daher an die Spitze der Widersprüche des Monismus, denn sie zeigt unbarmherzig klar, mit welcher (nich vorhanden) Exaktheit und Gewissen­haftigkeit, mit welcher von ihm selbst aus als jesuitisch-scho­las­tisch gebrandmarkten Unredlichkeit der Monismus seine «Beweise» fabriziert – welche (nicht vorhandne) Klarheit und Einheitlichkeit im Monismus herrscht, in dieser Stamm­tisch-Philosophie der Bauernfängerei.

Ich verkenne die Verdienste von Exzellenz Haeckel durchaus nicht – die Verdienste, die er als Vorkämpfer des Darwinismus sich um den Entwicklungsgedanken (wenn auch in einer Roh­form) erworben; und seine viel beredeten «Umzeichnungen» der Embryonen erschüttern durchaus nicht die innere Rich­tig­keit seiner biologischen Arbeiten. Immerhin ist diese zu­recht­stut­zende Zusammendrängung des Beobachtungsstoffes zur eilfertigen Überredung des Publikum ein grosses Symptom, wie leichtfertig und unexakt Exzellenz Haeckel bereit ist, an den Tatsachen vorbeizusehen, wenn es gilt die dogmensüchtige Kritiklosigkeit der Monisten zu übertölpen. Dass er freilich solche «Umzeichnungen» als exaktes Beweismaterial ausgab – das kennzeichnet ihn. Und in seiner Berufung auf Goethe stellte er sich in erschreckend jämmerlicher Weise bloss. […]

Haeckels Goethelüge

Goethe erkannte also sehr wohl die Naturgebundenheit des irdisch reifenden Menschen – aber er sah darüber hinaus in die Überwelt.

Exzellenz Haeckel sieht in seiner Verworrenheit einzig die Naturgebundenheit und nicht darüber hinaus; biedert sich dennoch in barster Kritiklosigkeit und unredlicher Un­ge­nauig­keit oder aus demagogischer Berechnung mit Goethe an.

Die Meinungsgleichheit, die Exzellenz Haeckel zwischen sich und Goethe behauptet, ist einfach nicht vorhanden. Und das tut der Wortführer der des «exakten» Monismus? […]

Falsche naturwissenschaftliche Behauptungen

Welches ist denn eigentlich die Weltanschauung des gebildeten Monisten?

Nicht etwas das (von der Flugschrift des Deutschen Monisten­bundes behauptete) Prinzip dass alles Wirkliche mit «natür­li­chen Dingen» zugehe, d.h. kausal, je nach tatsächlichen Kraft­verhältnissen. Dies ist der inhaltloseste und banalste Satz. Nein: der ganze Streit geht im letzten Grunde garnicht um die Ablehnung der Natur, sondern um das Begreifen der kausalen Möglichkeiten. Sogar der Schöpfungsgläubige lässt das irdische «kausal» hervorgerufen sein, bezieht aber in den Gesamtbegriff des Wirklichen seinen All-Urheber mit hinein. Die Monisten nun sagen statt wirklich – natürlich, begreifen als «natürlich» nur das, was ihren Messungen und Voraussetzungen ent­spricht, scheiden als unwirklich alles aus, was ihren Mes­sun­gen und Vorurteilen noch unzugänglich ist und errichten auf solcher kastrierten Wirklichkeit ihren Retortenglauben. Sie stecken die Grenzen der Natürlichkeit nach ihrem bornierten Belieben apriori ab und nennen das: Wissenschaft – statt das Werden der Naturgesetze Kraft der tätigen Eigenwesenheit zum Gesamtobjekte wahrhafter Wissenschaft zu machen, wie der Klarismus es tut.

Die ganze tatsächliche monistische Weltanschauung lässt sie wie folgt zusammenfassen:

«Über und in den Einzelerscheinungen und Individuen, deren Existenz nur ein vorübergehender Schein ohne selbstständige Wesenheit ist, waltet mittelst ewiger, allgültiger, unerbittlicher Gesetze ein ausschliesslich alleiniges Weltwesen, die weise, gütige und vollkommene Mutter Natur.»

In solcher nichtssagenden Allgemeinbegrifflichkeit hat diese Lehre einen Schein von Einheitlichkeit; und wen sie befriedigt, kann sich mit ihr trösten. Diese Schein-Einheitlichkeit zeigt sich aber in ihrer jämmerlichen hohlen Wesenlosigkeit, sobald ein sachlicher Blick von den Phrasen zu den tatsächlichen Naturanschauungen der monistischen Forscher übergeht, vollends wenn er die Naturtatsachen von den Naturdichtungen dieser Forscher sondert, deren kaum glaubliche Unlogik nicht nur ihre Theorien, sondern ebenso ihres praktisches Wirken negativ auszeichnet.

Exzellenz Haeckel spricht von der «klaren einheitlichen Welt­anschauung der modernen Naturwissenschaft».

Diese Einheitlichkeit und Klarheit der modernen natur­wis­sen­schaftlichen Weltanschauung existiert aber nur im dichtenden Wunsche zerfahrener und verworrner Gehirne.

Tatsächlich

I. klaubt sich Exzellenz Haeckel aus der Physik nur die ihm genehmen Teiltatsachen heraus,
II. besteht zwischen dem Wunschmonismus des Biologen Haeckel und dem des Physik-Chemikers Ostwald ein dualistischer Antagonismus,
II. stehen sowohl der Haeckelsche Evolutionismus wie die Oswaldsche Energetik je mit ihrem eignen Grundbegriffen in schroffstem logischem Widerspruch,
IV. stehen innerhalb des Monismus die verschiedensten Grundhypothesen widereinander,
V. steht der Monismus im Widerspruch mit der Tatsachen,
VI. steht die monistische Praxis im logischen Widerspruch zur Lehre.

Der Monismus ist das System barer Verworrenheit, klar in einem einzigen entscheidenden Punkte: dem Dogma der indi­vi­duellen Nichtigkeit und Allunterwürfigkeit. Um dieses nihi­lis­tische Banner scharen sich alle Willensverworrenen und Geis­tes­stumpfen, wie es sie allezeit, im Verlaufe der ganzen Kultur getan haben. Dieses Kerndogma verbindet auch die bisherigen Religionen mit dem Monistenglauben, der alles in allem beur­teilt, und nur der Verwesungsprozess der bisherigen Religion darstellt – der dabei durch seine Auflösung mancher früheren Starrheit, so und so viele zeitweilig angezogen hat, die dem Monismus dennoch den Rücken kehren werden, sobald ihr kraftvoller Lebenswille den chaotisch-reaktionären Geist der monistischen Geistesverworfenheit durchschaute.

Für das dogmatische Bonzentums der Monistenpäpste be­zeich­nend ist, was mir Geh. Reg. Rat. Prof. Dr. Otto N. Witt, der Herausgeber des «Prometheus» am 14. Mai 1907 schrieb, als ich ihm die «Märchen der Naturwissenschaft» (Heft 2 der «Lebenswerte» Jena, 1907, Hermann Costenoble) geschickt hatte: « … Auf das Lesen oder auf Beurteilung und Kritik … polemischer Schriften, deren Spitze sich gegen die moderne Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik richtet, könnte ich mich schon aus Mangel an Zeit nicht einlassen, aber ich würde es auch, wenn mir die Zeit dafür zur Verfügung stände, nicht tun.»

Als Privatmann brauchte Prof. Witt natürlich meine Schrift nicht zu beachten – als Verbreiter populärer Naturkenntnis musste er meine kurze sachliche Polemik berücksichtigen, wenn es ihm um voraussetzungslose und exakte Naturkenntnis zu ginge, und nicht um die Monopolisierung der monistischen Dogmen-Hypothesen. Nicht als abstrakter Philosoph, sondern als Naturforscher bin ich gegen den Monismus aufgetreten – von früher spontaner Leidenschaft für die Naturforschung erfasst, war ich schliesslich Assistent der Physiologie an der Universität in Lausanne: daher habe ich als Fachmann die willkürlichen Konstruktionen der sich wissenschaftlich nen­nen­den Scholastik kennen gelernt. Amicus Plato, sed magia amica veritas. Deswegen wandte ich mich auch schliesslich vom naturwissenschaftlichen Fache ab, zur bauenden Kultur­kritik.

Diejenigen werden mit der Zeit die umfassende Natur­an­schau­ung, die vorweisende Weltanschauung, die befreiende Gottes­an­schauung des Klarismus begreifen, der in seinen Grundlagen des «Eigenenwesenheit» diejenige «Einheit» in der wahren Mannigfaltigkeit enthält, die der widerpersönliche und wider­wirk­liche Monismus ebenso wenig besitzt, als ihn der alte Fatum- oder Schöpferglaube besassen.

Die sechs Punkte in denen sich die Widersprüche des Monis­mus knapp zusammen fassen und die sich würdig an die Goethelüge Haeckels schliessen, stellen sich im Einzelnen wie folgt dar:

I. Haeckels willkürliche Auswahl der Naturwissenschaft. Der 2. Satz der Thermodynamik wird abgelehnt – Gleich­setzung von Geist und Energie.
II. Evolutionismus wider Energetik und umgekehrt. Aufstieg wider ewiger Abstieg – Prinzipien von vollendeten Dualismus.
III. Logischer Selbstwiderspruch sowohl des Haeckelschen wie des Ostwaldschen Monismus. Monismus schliesst jede Entwicklung aus – Messung als Vergleich gegebner Grössen.
IV. Inner-monistische Widersprüche. Monismus sei nur «Forschungsmethode» und suche «Einheit» zwischen Leben und Denken.
V. Der Monismus im Widerspruch mit den Tatsachen. Keine Wirkung ohne Ursache.
VI. Die monistische Praxis im Widerspruch zur monistischen Theorie. Folgt unseren Taten und nicht unser Worten – Ganz von der Frage der Willensfreiheit abgesehen.

Diese sechs Themen werden von Eduard von Mayer eingehend besprochen. Widersprüche des Monis­mus

Und nun nochmals zu Goethe und seinem von Exzellenz Haeckel fälschlicherweise zitierte Gedichte «Das Göttliche». Ich wiederhole: weit davon entfernt ein Bekenntnis zu Monis­mus zu sein, ist dies Gedicht viel mehr ein Vorbe­kennt­nis zum Klarismus.

Da ist die Natur in ihren wahllosen chaotischen Mischung von erfreulichem («es leuchtet die Sonne» – «es glänzen der Mond und die Sterne») und zerstörerischem («Wind und Ströme, Donner und Hagel … ergreifen … einen um den andern») – da ist die Naturnotwendigkeit in ihrer sinnlosen Ziellosigkeit «auch so das Glück tappt …»). Es ist die unbestochene Einsicht in die brutale Sinnlosigkeit des rein natürlichen Dasein, dessen Wesen in unauslöschbarer Schärfe von Elisarion als «Chaos» gekennzeichnet und als dumpfgärende Wett-Entwicklung ringender-reifender unreifer Eigenwesen begriffen wurde – die Notwendigkeit und ewige Selbstständigkeit der unvollendeten Welt, deren verworrenen Machtverhältnissen jeder unterliegt, sofern er noch sich über das Chaos hinaus zu reifen begann und sofern er dem Chaos noch angehört. Solcher strenger Determinismus ist durchaus nicht Monopol und Kennzeichnen des Monismus – auch der nicht monistische Goethe, auch der klaristische Elisarion kennen die Notwendigkeit. Denn nicht die Nichtigkeit des Individuellen fliesst daraus, sondern einzig die jeweilige gradhafte Begrenztheit des Individuellen. Viel­mehr: auf der jeweiligen bestimmten und eigenen Wertstufe der Eigenentwicklung tätiger Wesen fliessen alle Zustände der Notwendigkeit, die wir missbräuchlich «Gesetze» nennen. Logischerweise müsste vielmehr der Monismus den Deter­mi­nis­mus ablehnen, den da das Individuum angeblich nichtig, ohne eignen Wesenwert, ohne eigenen Machtzustand ist – so könnte das in ihm restlose verborgne (?!) All-Eins-Weltwesen sich in ihm in jedem beliebigen Augenblicke in All-Fülle offenbaren und schrankenlose Wunder vollbringen. Der ganze Determinismus des Monismus ist eine unbegreifliche und unlogische Selbstzurückhaltung des All-Eins – begreiflich nur und ganz aus der Widerpersönlichkeit.

Doch der Determinismus, der somit gerade logisches Eigentum des klaristischen individuellen Entwicklungsglauben ist, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Und darum bekennt Goethe in seinem starken vorklaristischen Vorgefühle: «Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche» – das nach monistisch-reak­tio­närem Naturgesetzbegriffe Unmögliche, Höhernatürliche.

Er stellt damit den Menschen in seinem zweck- und zielhaften Richten, Unterscheiden und Wählen der Naturnotwendigkeit entgegen – er stellt ihn in Lohnen, Strafen, Heilen, Retten, Verknüpfen der blinden gleichgültigen, er ergebniskalten Natur gegenüber; und da ist es nur einen Erkenntnisschritt weiter zur klaristischen Einsicht, dass das Eigenwesen wesenhaft darauf angelegt und damit beauftragt ist, fort und fort den ver­worr­nen, zersplitterten, bedrohlichen, leidenden, rohen Zustand der Natur mit all seinen «Naturgesetzlichkeiten» erhöhend zu überwinden und durch Förderung des Lebenswilligen, durch fruchtbares Ineinanderfügen des Masslosen an höherer Da­seins­ordnung zu bauen.

Aber das Eigenwesen könnte nicht so – und wäre es auch nur in Wunsch und Sehnsucht – sich zum Richter, Meisterer und Überwinder des Naturchaos erheben, wirkte nicht in ihm, mit ihm und durch ihn die tatsächliche Oberstufe des Daseins, die vollendete Welt des Verklärten, wie sie Glaubensbekenntnis des Klarismus ist. Goethe ahnte mit Geist und Herz diese vom Monismus verhöhnte und verpönte Überwelt: «Und wir ver­eh­ren die Unsterblichen, als wären sie Menschen». Ein Vorbild, eine Vorahnung «jener geahneten Wesen» ist für Goethe der Mensch, der tapfer, lebensfördernd und freudig einem er­kann­ten Ideale, Ziele und höheren – wider das natur­ge­setz­liche Chaos errichteten – Zustande zur Verwirklichung verhilft.

Und Elisarion sagt im Grundbuche des Klarismus:

«So sind auch meine Gedanken, die über die heutige Natur, die ihr allein anerkennt, ausweisen, ein Wille und Ausspruch der Natur … so weist sie, die Natur, mit meinem Munde euch ihr eigenes fernes Ziel, sucht sie in meinen Willen einen höheren Zustand, als ihr bisher möglich gewesen war zur erreichen, träumt sie in meinem Fantasien und Kunstschöpfungen von ihrer Vollendung, wächst sie in mir und den gleich mir Ge­sinn­ten über das Chaos hinaus und entwickelt sich so der Voll­kom­men­heit und Persönlichkeit entgegen, unbekümmert um die monistischen starren Anhänger ihrer überlebten Kindheit und Unfreiheit.» (Neuer Flug, Seite 45.)

«Das göttliche Streben ist: Harmonie zu reifen, Unver­gäng­liches zu wirken, durch Liebe und Güte und Geduld den Menschen zu befruchten und zu fördern, auf dass er sich ihnen nähere, kurz: ihn aus dem Chaos zu lösen und zu erlö­sen.» (Neuer Flug, Seite 56.)

Zwischen diesen klaristischen Geiste Elisarions und der monis­tischen Stumpfheit zu wählen, wäre Goethe wahrlich nicht schwer gefallen trotz Henkels monistischer Goethelüge.

 

Nachwort

Nichts liegt in mir hier ferner, als gegen die Naturbeobachtung und Erforschung zu reden – im Gegenteil, ich wünschte, sie nähme unbefangen und vorurteilsfrei zu! Ich wende mich nur gegen die naturologische Scholastik, gegen die negativen Glaubenssätze des Monismus, die sich als streng bewiesene Allein-Wahrheit zu geben belieben, weil damit die Kritik der «Laien» mundtot gemacht wird. Mein Kampf wider den «Monismus» wird dann aufhören, wenn jeder einzelne Monist eingesehen haben wird, dass sein Monismus ein Glaube ist, der mit «exakter Wissenschaftlichkeit» an sich nichts zu tun hat.

Dann wird die Bahn der Geistesfreiheit und Forschung sich eröffnen, die bisher vom Ungeiste theologischer wie naturo­lo­gischer Unterwürfigkeit versperrt gewesen sind.