Scene Auf dem Berge Vor dem Gletscher­spiegel Auf dem Schneelager Vor dem blühenden Birnbaum Auf der grossen Blume Über das Schneefeld schreitend Der Schönheit Thron Vor der hohen Magnolie Zum Wettlauf vor grün­lichem Fels Liebesfeier vor den Laufenden Vor dem Orangen­baum Drei vor dem Säulen­denkmal Vor hohen
Zypressen
Vor dem Lichtfelsen Am Oleander Reigen am Meer Über dem Reigen am Meer Vor dem Reigen am Meer Über Seerosen Im Wettlauf vor der Edelweide Edelweide am Meer Ruhend in Blumen vor der Weide Vor dem freien Meere Auf der Hängematte
am Meer
Im Fluge vor
hohem Baum
Zwei Liegende beim Springbrunnen Die Feier im Bergtal Am Tannenrand Ringende Umarmung auf der Enzianwiese Ruhend im Vordergrund des Waldsees Über dem Waldsee Schwebende Vor dem grünen Waldsee Am Wasserfall
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Ob ich wandre auf hohen Bergen,
Nimmer von Blitzen umloht,
Bin von Gefahren unbedroht,
Von Schneesturm, Absturz, Tod! ...
Klettere nicht gleich winzigen Zwergen,
Hoch an den Felsen, bedrückt von Lasten
Ermüdet am Abhang zu rasten,
Bin kein Unheil für mich und Andre.
Auf den Gletschern, am steilen Rand,
Überall wandre
Ungeschunden von Sonnenbrand,
Sende den Blick in die Pracht der Fernen,
Nicht mehr ein Sklave von Wirrweltsternen,
Der untertan den Naturgesetzen,
Die von Verlangen zu Ängsten hetzen:
Unbewusst ein Frevler zu werden,
Schon im blinden Verletzen
Dunkler Allmacht der lieblosen Erden.

Ob ich wandre auf hohen Bergen,
Über die wasserumrauschten Grüfte,
Unbedroht von irdischen Schergen –,
Freiherr bin ich im Reich der Lüfte!
Gletscherspiegel – Zauberspiegel!
Der ein zweites Ich mir spendet,
Schelmisch doch zur Seite wendet
Einen Blick wie unterm Siegel
Liebender Verschwiegenheit.
Ei, da steht ein kühner Werber,
Fast ein herber,
Wie zum Angriff schon bereit.

Blickt er lächelnd auch zur Seite,
Dünkt mich doch, dass jener Fesche
Gerne näsche
Und um Beide kühnlich freite.
Sind doch gar in rosa Zungen
Rankenblüten vorgedrungen.
Auch die Zapfen dieses Eises
Spüren gar der Schönheit leises
Wunder
Vor dem zarten Gletscherblau.
Nein, das ist kein eitler Zunder,
Keiner Wirrwelt flüchtger Plunder!
Schau!

Sag doch selbst, Du schönes Wesen,
Wundert? dich noch Solches viel,
Wo von falschem Zweck genesen,
Unverfälscht im Liebesspiel,
Jedes darf in Blicken lesen,
Was ihm herzlich wohlgefiel.
Wer staunt noch, dass auf Schnee ich liege,
Mich wie auf weichen Kissen sonne
Mich wie in warme Daunen schmiege?!
Gelt, das ist lauter Lebenswonne!
So ist der Geist gewohnt: ich siege,
Doch klarweltheiter, nicht im Kriege.

Hier blüht und glüht in freier Luft,
Umschwärmt von bunten Schmetterlingen,
Der Hyazinthen süsser Duft,
Der blauen Lilien – denn in allen Dingen
Lebt eine wunderbare Kraft.
Auch die Glyzinien, hier in schlanken Ranken,
Umschlingen nicht in gieriger Haft
Was sonst sich Leben schafft
lm Reich der Pflanzen.

Die kleinen blauen Falter tanzen
An mir vorbei. Ich freu mich aller Reize,
Dieweil ich selbst nicht mit der Schönheit geize,
Hier lebt Gerechtigkeit im Ganzen.
Ich darf der Klarwelt unbekümmert trauen,
Aus frohen Augen unbekümmert schauen.
Ich hebe Dich froh in die klare Luft,
Befreit von der irdischen Schwere,
Erlöst aus menschlicher Kluft,
Aus der Gruft,
Dich, den ich lieb und verehre!
Wie ein lebendiges Siegestor,
So heb ich jubelnd Dich empor,
Der diese lichte Welt erkor,
Im Kampf mit dunklen Mächten –
Dich, der eine wahre Gotteswelt,
Den Gottesgeist, den echten,
Bereit für sie zu fechten,
Erst leuchtend vor den Blick gestellt!
So schreit ich, glückliches Gebilde,
Mit Dir ins strahlende Gefilde!

Wie schweb ich leicht auf deinen Händen
Und mag, von Sorgen frei,
Den Blick ins Lichte, Schöne wenden,
An blauer Berge weissen Gipfeln
Vorbei,
An weissen blühnden Wipfeln,
Zu grünbelaubten weissen Birkenstämmen
Und veilchenhellem Blütenbaum –
Nichts mag den Blick mir hemmen
In all den frühlingshellen Raum.
So greif ich nach der zarten Ranke,
Die mir die Liebe beut.
Das Herz, das nichts mehr scheut,
Sagt fröhlich: Danke!
Mein Nachen ist die grosse Blume;
So fahr ich hin auf blauer Flut
In lichte Welt, im Heiligtume
Der Seele, froh in frischer Glut.
Maiglöckchen läuten in meiner Hand,
Ich lenke die Falter in leuchtendes Land.
Des Knaben Wachtraum wurde zur Wahrheit
In einer Welt der Göttlichen Klarheit!
Nun hab ich Kräfte, ich trage dich leicht,
Der Du in fernen Wirrwelttagen
Mich durch ein Leben hilfreich getragen.
Es ist erreicht!
Hin über weissen leuchtenden Schnee!
Dem Frühling auf hohen Bergen gleicht,
Was ich hier glänzen und jubeln seh.
Und doch ist ewiger Sommer hier,
Wo Blumen blühen im Schneerevier,
Lichtgelbe Falter vor uns fliegen,
Und keiner Kälte wir erliegen.
Und Flieder trag ich in dem Haar!
Ist es nicht wunderbar?

Es ist erreicht.
Es war kein leerer idealer Wahn
Auf einer mühsam langen Erdenbahn.
Es wird erreicht – wenn nur der Mut nicht weicht,
So dachten wir – trotz allen Spottes,
Und trotz den Feinden eines wahren Gottes,
Trotz ihres trägen Geistestrottes.
So kam es doch:
Herz, wie Du meinst,
Und ob wir einst – im Wirrweltjoch
Auch gar verschieden um einander rangen:
Zum Ziele mussten wir gelangen.

Der Wirrwelt Starre schwand
Und alle Last. Nun reicht die Hand
Des ewgen Frühlings Zweig dem Andern,
Der auch die Wirrwelt überwand,
Um in das Licht zu wandern,
Nicht wechsellüstern, gar nicht angeödet
Von reiner Harmonie,
Und nicht verblödet
Durch Götzen- und Naturphilosophie …

Herz, lass das Grübeln!
Wir sind erlöst von solchen Übeln.
Ich bin Kadett und Page am Schönheit-Thron,
Der marmorschwarz von goldnem Geäder strahlt,
Bedeckt mit farbenfrohem Teppich.
Mein ist als Degen die rote Gladiole.

In dieser Welt bedarf es der Warnung nicht,
Wie dort, wo Glück und Freiheit erlogen sind.
So grüss ich froh von diesem Throne
Lebender Bilder in Göttlichem Reiche.

Ich greife froh ins goldige Saitenspiel
Und singe reiner Schönheit erhabnen Wert,
Von diesem Thron, der keinen knechtet.
Mutvoll begeistert, so leuchten die Blicke.

Mich krönt der blaue leuchtende Rittersporn
Als schönes Sinnbild einer geliebten Macht,
Denn hier ist aller Streit beendet.
Leidenschaft-frei ist hier Liebe allmächtig.

Wie ruh ich wonnig, Liebe, in deinem Reich,
Entspannt und still, Schneeglöckchen, auf deinem Grund,
Vergissmeinnicht mir blau zu Füssen,
Falterumkost mit den duftenden Blumen.
O wie Du mich anglühst,
Strahlender Baum –
All die hellen Flammen
Deiner rosig behauchten Kelche
Liebender Blüten!
Du, Leuchter der Klarwelt!
Wie hauchet mich an –
Süsser Duft deiner Seele!
So schweb ich Dir zu,
Getragen vom Fittich der Freude,
Ein Menschenfalter – Liebe zu atmen,
In Kelche der Wohllust zu tauchen,
In Tau des Morgens Ewiger Jugend.
Dir breit ich die Arme,
Den Kerzen deines hellen Jubels!
Wer ist geschwinder – Ich oder Du?
Zu fangen – zu entfliehn?
Vorbei am Blütenfeuer-Kamin,
Rechts um die blauen Säulenecken,
Doch ohne den blauen Falter zu schrecken!
Unter dem blühenden Apfelbaum,
Über den weissen Blumensaum
Hinaus in den schneeigen Raum!
Flink, wie im Traum!
Eins! zwei! drei!
Am Thron der Liebe vorbei!
Wie ruhen wir tief in Blüten versunken
Im Klarwelt-Frieden – der Wonne trunken.
Hier stört kein Neid mit bösen Gedanken,
Weil Alle reinen Herzens sind.
So lass uns der Göttlichen Liebe danken,
Wo Auge in Auge die Seele minnt.

Ja, ob wir schweigen – das Auge spricht:
Die Liebe – selbst ist unser Gedicht.
Knieend schling ich meine Arme
Liebevoll um deine Hüften,
Grad als wollt ich noch das Pochen
Deines treuen Herzens hören –
Denke, wie ich einst am Morgen
Aus dem süssen Schlaf dich weckte,
Fast ein Kind noch Dich erweckte,
Ja, mit einem Kuss erweckte,
Wie zum Kampf im Dienst der Liebe –
Denk, wie Du auf blühndem Hügel
Hoch am trauten Balten-Meere
Mich umarmtest und mich küsstest
In der Inbrunst deiner Seele,
Mir verwandt, nicht blos im Blute,
Auch im Herzen, nur viel grösser.

Ja, ich hab dem Erdenleben
Nachgelebt, wie viele Andre,
Hatte Weib und hatte Kinder,
Während Du der Welt entsagtest,
Du im Kampf ums Ideale,
Von den Menschen missverstanden.
Dennoch tief in meinem Herzen
Ahnt ich, wozu Du berufen.
Einmal konnt ich es Dir sagen,
Als die Welt Dich nicht erkannte:
Dass ein Göttlich weiser Wille,
Ungeachtet aller Trübnis,
Aller blutig schweren Zeiten
Aufgespart dein teures Leben,
So dass Du im Stillen schufest,
Ja! für Zeiten, die noch kämen.

Du, geliebter Gotteskünder,
Der den Rachegötzen wehrte,
Sag noch einmal jene Worte –
Vor dem Baum der goldnen Früchte
Auf dem schönen Fels der Klarwelt –
Verse, die in weiten Fernen
Einst Du sehnsuchtsvoll gedichtet,
In Gedanken hoch am Meere
Auf dem wild umblühten Hügel,
Schon in ferne Zukunft schauend.
Ich erhorch sie Dir am Herzen.

Waldy, einst mein Blutsverwandter
Sprössling aus dem Baltenadel –
Aber nun, von Gott begnadet,
Mit-Erlöster in der Klarwelt,
Engelgleich, mit Jesu Worten,
Und auch gleich dem Hellas-Schönen.
Seid gegrüsst, Ihr Lichtgestalten!
Denen ich die Arme breite.
Deinen Wunsch erfüll ich gerne.

Wie sehr ich Dich liebte,
Du ahntest es kaum –
Ein schöner Traum,
Der nie zerstiebte,
Blieb mir der Blüte
Holder Duft
Aus Jugend und Lenzesluft
Im reifenden Gemüte.

Als ich Dich küsste,
Wohl ungezählt,
Hat sich mein Herz gestählt
Zum Kampf der Liebe, den ich rüste.
Und ob ich wüsste,
Dass Alles stirbt,
Was hier um Wonne
Und Sonne wirbt –
Ich breite die Flügel
Gen Abend aus,
Wie damals zur Stunde
Auf blühendem Hügel.
Und fliege hinaus!
Wo-hin?
Wo-her keine Kunde.
Da bin ich zu Haus…
Wir waren Drei in Liebe einst verbunden
Mit Ihm, der uns der Klarwelt Botschaft brachte,
Und Jedem wurden segensreiche Stunden
Mit Ihm, der unser Herz so licht entfachte.

Die Blütensäulen vor dem Pappelgolde
Sind solchem Fühlen ein geweihtes Zeichen;
Hier mag ein Jeder sagen, was das Holde
In dem Erlebnis war – so ohnegleichen.

Des Lebens bunter Teppich ist gebreitet
Zu unsern Füssen, hinter meinem Haupte,
Und ich umfass Euch Beide, freudig weitet
Die Seele sich, die an das Edle glaubte.

Du sprichst so schön wie eine ewge Treue,
Und warst ja mutig, ohne Tadel...
Doch ich bestand der Läutrung bittre Reue,
Weil ich einst fehlte gegen Seelenadel.

Die Wirrwelt drängte mich von seinem Pfade;
Vordem hab ich vergöttert ihn als Knabe
Und labte mich an seines Herzen Gnade.
Geläutert stieg ich doch aus meinem Grabe.

Einst wollt ich gleich den Weg zur Klarwelt machen,
Ein Umweg ward es, den gebüsst ich habe.
Nun darf ich wieder reinen Herzens lachen
Und senk die Hand mit neu erblühtem Stabe.

Und ich? – Was darf ich von der Liebe plaudern,
Die mich beseligt hat, und dennoch Leiden
Mir auferlegte? – Torheit! da zu zaudern,
Wo das Gefühl gemeinsam spricht in Beiden.

Ein blutig Schicksal riss mich aus dem Loben,
Das mich betrog, und einmal sehr beglückte!
Doch nie vergass ich, was Er mir gegeben:
Das wahre Glück –, bis mich der Tod entrückte.

Der mich begeisterte, war noch auf Erden,
Als ich ein Opfer ward – von Gott begnadet.
So durft als Erster, ich hier selig werden –
Im Geist vereint – vom Tode unbeschadet.

Seht diese Frucht, begrüsst von lichtem Falter!
Sie stammt vom Baume meines Erdenlebens;
So blieb sie unversehrt und ohne Alter,
Ein Bild der Wunderkraft des Seelenstrebens.
Hoch über uns getürmt stehn die Zypressen,
Domgleiche Weihezeugen unsrer Liebe.
Auch Glück der Wirrwelt blieb uns unvergessen,
Weil schon geweiht durch echte Seelentriebe.

In reichen weissen Rosenbusch geschmiegt,
Umschwebt von vielen himmelblauen Faltern,
Lacht uns das Glück des Tages, nie versiegt,
In Jugendfreuden, die da nimmer altern.

Auf deine Schulter leg ich leis die Hand,
Nicht tut es Not, besorgt dich fest zu halten,
Du hast fein sacht den Leib mir zugewandt,
Zu Eins verbinden so sich zwei Gestalten.

Dein dunkles Auge lacht so halb verträumt,
Im schwarzen Haar da schimmern blaue Lichter,
Rotlippig ist die Perlenreih umsäumt,
Ja, liebes Herz, Du weckst in mir den Dichter.

Du sprichst so schön, dass ich Dir gerne lausch,
Ei, blonder Freund mit dem Profil des Adels,
Wie ich Gefühle gerne mit Dir tausch!
Stets warst Du kühn, doch niemals Wert des Tadels.

Die Falter werben auch um Blumen kühn,
Sie selbst doch wahrlich Blumen, die da fliegen.
Zwei Lilien stehn wie Kerzen, die da glühn
Zum Fest der Liebe – wo doch Beide siegen.

Ja, dunkle Schönheit, Du bist klug gesinnt,
Der Klarweit Weisheit lässt Du nicht vermissen,
Sie duftet süss, dass sie mein Herz gewinnt –
Wie rings im Grün weiss schimmernde Narzissen.
Felsenthron, wie schau ich zu dir begeistert,
Golden leuchtest du, schneeig weiss im Gipfel,
Hoch ins reine Blau und die Wasser rauschen
Glücklich zum Meere.

Sieh da leuchtet hell siebenfarbger Bogen!
Du erscheinst vor ihm – Du, den wir vermissten!
Heil! Du schwebst herein ein erlöster Kämpfer,
Künder der Klarwelt!

Welch ein Augenblick in dem Tal der Blumen!
Wir begrüssen dich in der Welt der Freude,
Nun wo Du erlöst deine Tat erfülltest,
Martyr der Klarwelt!

O wie wunderbar ist die schöne Klarwelt!
Hier lebt Gottes Geist ohne Hass und Lüge,
Keine Dämonie, hier ist wahrer Frieden,
Wahrheit und Liebe!

Du, geliebtes Paar, das in Andacht kniete,
Ja, von Herz zu Herz ist die Liebe Andacht,
Ist sie Gottesdienst in der Welt des Lichtes.
Reicht Euch die Hände!

Träumt es sich doch schön – tief im Reich der Blüten,
Ungestört von Hass und von Ungewittern.
Wo kein Tod bedroht: da ist Gottes Ordnung,
Fern von der Wirrwelt.
Es ist so licht und blau und wonnig warm,
Wie wenn im Laube die Zikaden sängen
Und frische Quellen von den Bergen sprängen –
Wie liebevoll umfasst Dich da mein Arm!
Dicht vor dem Rosenlorbeer, dessen Blüten
So rosig schimmern, grad wie deine Wangen;
Da greift die Hand in zärtlichem Verlangen
Nach deinem Kinn – ich fühle, es erglühten
Die Lippen uns … wie vom Gelock beschattet
Begegnen sich die Blicke unsrer Augen,
Gleich Bienen süsse Wonne einzusaugen,
Und forschen in den Tiefen nie ermattet.
Dem Liebesspiel gehorchen deine Arme,
Frank stehst Du da, Verständnis zu erweisen,
Indes die Falter um die Blüten kreisen,
Und uns umspielt die Luft, die warme.
Es spielt das blaue Meer um lichte Klippen
Und ihre Schirme breiten hohe Pinien
Mit ihren schlanken adelhaften Linien,
Derweil wir trunken von der Liebe nippen.
Wie ist hier Alles lind und froh umfächelt
Von milder Luft. Die Feuerlilien lachen
Und jede Blume will es schöner machen;
Sogar das Wasser im Bassin uns lächelt
Und wird ein kleiner Springborn uns zu Füssen.
Will so die Klarwelt ihren Künder grüssen?
Blonde Schönheit, Du duftig lindenblütenbehängte,
Deren lockender Blick uns lugt aus goldiger Locke.
Anmut, lüfte den Fuss, schon regt sich der Reigen der Liebe.

Ei, wie lockt mich dein Wort. Du, leichter apollischer Jüngling!
Seeluft, die lose, greift dir verliebt ins braune Gelocke,
Streift dir den farbigen Streifen von deinen prächtigen Armen.
Gelt, dich kleiden die grünlichen Perlen, Du Schöner, nicht minder
Als die blauvioletten mich. So ergreife den Arm mir.

Ewigen Frühling im Herzen, so wandeln wir hin auf der Heide.
Wesensgefährte, ergreif meine Hand. Du, vor mir im Schreiten!
O wie lebhaft Du bist und hebst den Fuss wie zum Tanze,
Dass am Haupte dir beben die roten Blüten des Mohnes!

Vorwärts zieht mich begeistert die blonde lila Clematis,
Während das Meer mich entzückt, und die duftigen schneeigen Berge,
Auch die stolze Palme zu Häupten, am Fusse die schöne
Schwarzgelockte Gestalt – da eilt mit fliessendem Haare
Immer voran Clematis, auf langender Hand den Falter.

Siehe, da schwingen schon zweie hinauf zur dunklen Olive,
Kutschen, gängeln einander mit glockenblütigen Ranken:
Vor- und zurückgeneigt, mit flatterndem Goldhaar, und jubelnd
Edelweiss, im Spiele gefolgt vom Lenker Cyclame.
Hoch vor strahlendem Himmelblau,
Über der leuchtenden Meeres-Au,
Über dem Reigen am Seegestade
Schweben wir hin auf luftigem Pfade,
Ein Zwillingspaar so scheinen wir.
Du wendest dich schelmisch ab von mir.
Und bläsest in weisse Blütenposaune
Zum Aufmarsch für den Reigen drunten.
Ich folge Dir gleich mit energischer Laune
Und schwinge den Bogen, den falterbunten,
Als leuchtende Geissel über Dir hin.
Das ist nach unsrer Beider Sinn,
Wer bist denn Du? – Wer bin denn Ich?
Zwei Wesen, verwandt gar inniglich,
Als scherzender Zweiklang doppelt geeint,
Was in der Wirrwelt fremdlich scheint.
Uns drohn keine Menschen, uns hemmt kein Gitter,
Wir sind der Wirrwelt Sorgen enthoben;
Uns drohn keine Wolken und kein Gewitter,
Nur weisse Falter ziehen da droben.
Doch sieh! wer schwebt uns da entgegen?
Auf gleichen luftigen hohen Wegen,
Dort vor der goldigen Pappel Revier,
In der Linken ein blühend Panier,
Bereit die Blumentrompete zu blasen
Weithin über Reigen und blumigen Rasen.
Der Schelm, der feine, er lächelt uns zu.
Sei herzlich gegrüsst, Vertrauter Du!
So rücklings hingestreckt auf grüner Flur
Wie ist es wohlig, eines Falters Spur
Auf sacht erhobnem Knie fein zu geniessen,
Indes umher viel bunte Blumen spriessen –,
Und sacht den Kopf gelöst, zurück zu neigen,
Die Hände spielend mit den Kräuterzweigen,
Auch sie umspielt von bunten Schmetterlingen …
Da öffnen sich die Augen zu den Dingen:
Doch schauen nicht in hohes Ätherblau,
Nein, in den Liebeshimmel zweier Augen –
Von Wimpern überhegte Schau –
Und in den Schatten dunkelbrauner Haare,
Und rote Lippen, die zum Küssen taugen.
Wie hübsch sie sagen: ‹Herz, ich liebe Dich,
Wie ich Dich immer liebte, inniglich!
Wie fern sind nun die Wirrweltjahre,
Die uns geeint – getrennt: … O sprich,
Wie ahntest Du die Gotteswelt, die Klare?
So ohne Trug in einer Welt voll Lügen,
So ohne dich und Andre je zu trügen!›
Ja, Herz, ich wusste um die lichte Brücke,
So ward ich Sieger über alle Tücke,
Grad wie dein schöner Leib dahingebreitet
Auf dieser Flur in sanften weichen Wogen
Uns beide hier gleich einer Brücke weitet,
Darob die Falter tändelnd hingezogen.
Mir ward ein langer Kampf – Dir Heldentod.
Nun ward uns Freude, wie ein täglich Brod.
Über diese Wasserrosen,
Über grüne Blätterteller
Mit dem Schritt, dem schwerelosen,
Hinzuschweben macht noch heller
Mir des Lebens leichte Stunde!
Gelt, ich lass mich scherzhaft fangen,
Spür ich herzliches Verlangen –
Ja, mit Dir in freiem Bunde.

Gieb dich schalkhaft so gefangen,
Als im Reich der Liebesspangen,
Schau! der Schönheit Reichtum blüht,
Nie zerstört, in sel'ger Fülle –
So im seligen Gemüt,
Wie in all der bunten Hülle,
Herz, nach Dir beglückt zu langen,
Sei vergönnt – und dich zu fangen,
Über dornenlose Rosen.
Wie um Blumen Falter kosen!
Durch die Blüten hinzuspringen!
Wo die Glockenblumen klingen,
Hohe Riesenkräuter stehen
Und um lila Azaleen
Sich die blauen Falter schwingen.
Gar gewandt im Vorwärtsdringen,
Rote Früchte in den Händen!
Wird es, Dunkler, Dir gelingen
Sie mir greifend zu entwenden?

Keine Früchte will ich schlingen,
Die in dieser Welt nicht reifen,
Weil wir etwa Hunger haben.
Ei, im Spiele mag ich greifen,
Aber nicht wie wilde Knaben,
Muss im Wettlauf nach dir schweifen,
Mich an blonder Frucht zu laben.
Mir war bestimmt eine Königskrone
In irdischer Jugend Blütentagen …
Doch lieber, lieber hier oben throne
Ich, ferne der Welt der Kriege und Plagen,
Mein Baldachin sind die grünen Ranken,
Die leise im Meereshauche schwanken.
Ich greif in die Zweige der Edelweide
Und lass sie streicheln, lass sie streichen
Grad über die prächtige Menschenranke,
Umschwärmt von Faltern ohnegleichen,
Zur Freude ihr und nicht zum Leide,
Auf meinem Knie – ein Scherzgedanke!
So gilt es ein lustiges Jugendspiel
Ohne Zweck und Ziel.

Darunter lehnt auf schwanken Zweigen
Ein Wesen, schlank und fein geschmückt,
Ein Klarwelt-Vogel – wohl zu zeigen,
Wie keine Last uns hier bedrückt.
Prinzesslein im Blumenfederhut,
Euch steht die Perlenkette gut!
Nah rauscht das Meer wie einst an Feiertagen
Und weckt Erinnerung an schöne Stunden,
Die mir noch heute in Gedanken munden,
Denk ich an jene Welt, so reich an Plagen.
Wie ruht es sich, in blaue Pracht gebettet
All dieser lieblichen Vergissmeinnicht
Und rosig weissen Blüten. Alles spricht
Von echter Liebe, die uns niemals kettet.
Erfrischend fühl ich leichten Windes Wehen.
Ich denk an Ihn, der einst mich schon geliebt.
Nun kam ein Glück, das nimmermehr zerstiebt,
Und Seligkeit von restlosem Verstehen.

Das Mädchenglück noch heut mir Wonne gibt.
Vertraut – ja, klingt mir dieses Meeres Rauschen
Aus einer längst, ja längst vergangnen Zeit!
So ungehemmt Vergangenem zu lauschen
Ist eine bittersüsse Seligkeit.

Ich seh es noch so wundergrün durchleuchtet,
Blauschimmernd bis zum fernen Horizont –
Von Sehnsucht eines Jünglings Aug durchfeuchtet,
Weil er sein Ziel noch nicht erreichen konnt.

Und nun? – Lass deine Sehnsucht heimwärts landen,
Denn Dein ist nun einst ferne Gegenwart,
Es gilt nicht mehr ein ungestümes Branden
Der Herzenswünsche, die ein Schicksal narrt.

Ich spür die Hand der Liebe – und erwache,
Wie aus dem Traum – zur schönen Wirklichkeit.
Du, blonder Page – Schelmerei – ja lache
Des Träumers, lös' ihn aus vergangner Zeit!

Ich bin dein loser Kamerade,
So lös ich Dich aus wirrer Welt,
Du, Träumerseele, sieh, ich lade
Zum Tag dich ein der klaren Welt.

An meinem Blumenkelch da nippet
Ein loser Falter so wie ich,
Beglückt vom süssen Duft er nippet.
Der Kelch der Liebe – freut er Dich?

Das Meer ist hier kein wilder Brander,
Es freut sich an dem weissen Gischt.
Auf denn! wir jubeln miteinander.
Hier ist nicht Wehmut beigemischt.
Du bist mein schaukelndes prächtiges Ross,
Mein Wildfang-Genoss,
Du bist mein Ross und ich reite
Dem Meer entlang und ins Weite,
Und bleibe doch immer am schönsten Ort.
Ja reiten, das ist ein feiner Sport;
Wie einmal vom Kinde heiss begehrt,
Doch nicht mehr auf stummem hölzernem Pferd.
Du bist mein schönes lebendiges Ross,
Und lenken kann ich dich ohne Gerte
Und ohne dass ich am Zügel zerrte.
Hallo! mein schaukelnder Genoss.

Ei ja, so trag ich dich gerne,
Stets mühelos in Näh und Ferne,
Auf grünem natürlichem Netze schaukelnd,
Als Rösslein gaukelnd.
Das dünkt mich ein ausgesuchtes Spiel.
Nicht wiehern kann ich, aber lachen,
Dass uns so nahe ein köstliches Ziel
In dieser Welt gar wunderbarer Sachen,
Die endlos viel
Uns immer neue Freuden machen.

In dieser freien Gotteswelt
Da darf sich Jeder freuen,
Wie's ihm und andern wohlgefällt,
Und ohne zu bereuen,
Weil wir vereint im Treuen
Nicht Übermut noch Feindschaft scheuen.

Ja, schöne Weisheit, das ist wahr.
So wird das Leben wunderbar.
Nur munter, immer munter!
Ich werf dich nicht hinunter.
Auf unserer luftigen Reisebahn,
Die wir nach Belieben auch kürzen,
Da brauchen wir keinen Acroplan
Und fürchten nicht abzustürzen.
So reist es sich schön über Meer und Feld
In einer klaren sonnigen Welt,
Und bald vorbei an steilem Hang
Der hohen Gebirge, dem Fels entlang,
Wo unter uns die Schluchten klaffen,
Und doch kein Abgrund macht uns bang,
Weil wir im Greist uns Kräfte schaffen,
Die nicht versklavt der Schwere sind,
Nicht Erdgesetzen untertan
Und nicht bedroht von neidischem Wind;
Wir sind uns selber Aeroplan.
Und liebend hält dich umfasst mein Arm.
So reisen wir sicher, schnell und warm.

Ja, Liebster, und denk ich der Reisen von einst
Beschwerlicher wohl, wie Du es meinst,
So waren sie doch – ich sag es gern –
Vereint mit Dir mein höchstes Glück,
Ja, wie ein Traum auf dem Wirrweltstern,
Ich denk an den blauen See zürück,
Wo trotz der Menschen, unverdrossen
Wir kurze Seligkeit genossen.
Mit Worten sag ich alles kaum.
Gewiss, es war ja wie ein Traum,
Der schnell vergeht – und man erwacht
In einer dunkIen Erdennacht.
Und heute, ja, da bleibt es Tag.
Ich leg die Hand so ohne Zag
Auf deine Schulter, strahlend heiter,
Wir reisen im Fluge selig weiter.
Soll ich Dich fragen, ob Du mich liebst?
Oder im Blick mir die Antwort giebst?

Ei, welch närrische Frage ergeht!
Wo doch die Liebe von selbst sich versteht –
Hier, wo die Blumen für Falter schwärmen,
Nie sich um böse Insekten härmen;
Hier wo der Springborn jubelnd steigt,
Sich zu den Blüten zärtlich neigt,
Ohne verliebte Falter zu scheuchen.
Gelt, hier gibt es kein ängstliches Fleuchen.
Bilden wir selbst nicht Giebelfiguren,
Wie in heiligem Tempel der Fluren?
Da auf der Wade im Heiligtume
Sitzt eine reizende fliegende Blume.

Ja, Du plauderst so allerliebst,
Dass Du mir Antwort nicht schuldig bliebst.
Hier im lauschigen Bergeshain,
Hier am sonnigen Waldesrain,
Hier vor dem Thron von Edelsteinen
Soll uns die Stunde der Feier vereinen.

Heute am Feste der himmlischen Kunst
Möge ein Jeder, göttlich begeistert,
Spielen, tanzen, singen nach Gunst,
Wie er die Gabe, die göttliche, meistert.

Über uns thront da in Bergesruh
Leuchtende Burg. Und Weihrauchdunst
Steigt aus der Blüte zur Andacht der Kunst.
Lilienszepter, eröffnest Du?

Du der in seelischem Gleichgewicht
Lehnst am schimmernden Malachit,
Dessen Blick von Begeisterung spricht,
Künde zuerst dein hymnisches Lied

Wunderhell leuchten die Blüten,
Festestag künden die Kerzen
Rosig rot kündet die Klarwelt
Feier der Seele.

Keine Nacht ängstigt die Herzen,
Nicht Gewalt zwingt uns zu dienen,
Kummervoll, Mächten des Dämons –
Herr ist die Liebe.

Jedes Schwert ruht in der Scheide,
Keine Macht kann uns bekriegen,
Hierher reicht keine der Waffen
Wirrwelterzeugter.

Geistig nur Göttliche leben,
Ungestört, lichter Gestaltung,
Harmonie wahrt in der Klarwelt
Ewige Jugend.

Freude sei Odem der Gottheit!
Heilgen Kelch hab ich erhoben,
Lob und Dank heiligen Herzen,
Klarweltverkündern!
Gott dem Befreier!

Auf der Harfe goldenen Saiten,
Spiele Du die Melodie!
Rankend Rosen sie begleiten.
Alles atme Harmonie!

Und es tanzen Leichtbeschwingte,
Wie zu eigenem Spiegelbilde
Auf dem weissbeblühten Gefilde
Heilige Tänze, rankenumringte!

(Im Vordergrund liegend)
Wundersam, wie diese schöne Feier,
Ist es hier zu ruhn bei lila Blüten,
Vor dem Jaspisthron und mosaiknen
Zauberhaften bunten Teppichbildern,
Eingefügt auf grünem Malachite.
Holde Melodieen hör ich, Worte,
Die mein Herz mit Zuversicht erfüllen;
Schaue, wie beseelt und leicht die Füsse
Tanzen über unberührte Blumen.
Blau und tief ein Seelein unter ihnen,
Wo um weisse Wasserrosen schwärmend
Bunte kleine Falter mich entzücken.
Niemals wart ihr hässlich grimme Raupen,
Wie sie in der Wirrwelt gierig fressen,
Niemals tote Puppen – gleich den Menschen.
Nein, ihr seid beschwingte Seelen,
So wie wir – seid Klarweltfalter.
Wirrwelt nennt das: hübsche Märchen.
Aber was sind Wirrweltdinge?
Minder schöne, hasserfüllte,
Liebeskranke, grausam blinde,
Schnell vergangene Geschlechter,
Die in Gräbern und in Büchern
Nur ein totes Dasein fristen,
Sind Geschichten voller Lügen –
Ja sind Märchen, aber schlechte.
Nur die Klarwelt ist wahrhaftig.
Hier ist wahre Gottesfeier.
Heil euch, traute Lichtgestalten,
Lasst in Ewigkeit uns walten!
Und willst Du siegen – so musst Du ringen,
Heiss ringen am schönen Waldesrand,
So musst Du siegend vorwärts dringen.
Indes: ich halte noch immer stand.
Ich flüchte nicht in den Tannenwald,
Und willst Du siegen, so siege bald!

Du willst mich necken auf feine Art,
Bald wild, bald zart,
Bis man im Spiel sein Ziel erreicht;
Und scheint es auch nicht gleich gelungen
Weil Für und Wider sich scherzend paart,
So ist ein Sieg doch ausbedungen.

Ei, Du bist kühn! doch es gefällt mir,
Wenn es dich freut – nun ich vergelt dir.

Steck nur dein Zünglein kühnlich vor,
Ich werd das Veilchen dennoch pflücken,
Hüt deinen Veilchenkranz am Ohr!
Im Sport der Liebe muss es glücken.
Das ist so Weisheit im Lichtbereich.

Und ach:
Wer unterliegt der siegt zugleich!
Um deinen Nacken schling ich meine Hände,
Als zög ich mich an Dir empor,
In Knieen auf dem blühenden Gelände.
Du, der mich recht zur Gotteswelt erhoben!
Wohin ich auch die Blicke wende,
Es ist so schön wie nie zuvor.
Ja, immer konnt ich deinen Adel loben;
Du bliebst ja immer schön und immer jung,
Auch damals schon, ach, in Erinnerung!
Als Dir die Umwelt grausam Unrecht tat,
Ja grausam blöde Unrecht tat!
Du liebst mich doch auch heute noch,
Du Liebster Einziger!
Auch nun, befreit aus allen Erdenjoch.
Schau doch die vielen blauen Enzianblüten
Und roten Falter, als ob Flammen glühten!
Du schweigst und neigst
Dein Haupt, und meine Arme
Ermüden nimmer – ich erwarme
An deinem Halse, deiner Brust
Zu neuem Leben, neuer Lust!

Du warst ein schmuckes Vögelein,
Das einst zu mir ins Haus geflogen.
Du warst ein liebes Mägdelein,
So schlicht und wahr, so treu und fein,
Das Keinen um sein Glück betrogen.
Du warst der liebe Sonnenschein,
Der mich begrüsst, wenn ich erwachte,
Und mir ins Herz wie jubelnd lachte.
So ward ich Dein, Du wurdest mein.
Ei, damals hast Du Schmuck verschmäht,
Der Dir nun gar so reizend steht.
Die törichte Umwelt von dazumal,
Der Wirrwelt Sorge, Neid und Qual,
Sie schwanden hin, und alle Angst:
Dass Du vor Blitzen und Menschen bangst.
Nun bist Du hier und bleibst geborgen
Im Arm der Liebe, schön und froh;
So ist es heute, so ist es morgen,
In dieser Klarwelt – da bleibt es so.
Hingelagert auf Teppichgrund
Bin umschmeichelt von milder Luft
Und von Faltern, die Sonnenlust
Atmen aus Blüten.

Ei, du neckischer Schmetterling
Auf der Schulter – was willst du da?
Bist am Ende mein Liebster Du,
Schelmisch mich tastend?

Weckst Du mich aus der Träumerei,
Die so lieb von Erlebtem spricht,
Oder auf neues Erleben sinnt?
Immer auf schönes!
Über der blumigen Halde,
Über dem grünen See,
Hoch vor dunkelem Walde
Schwebten wir leicht in die Höh.
Tanzen vor Bergen purpurn und blau
Und vor Gletschern – zur Himmels-Au.
Rosiger Falter schwärmender Zug
Scheint vor dem Monde ein Vogelflug.
Umeinander wollen wir schwingen
Um die Wette,
Ich mit der langen Perlenkette,
Du mit rosigen Blüten im Haar.
Und wir jagen einander im Kreise
Zu der Lyra klingender Weise.
Horch! sie tönet hell und klar.
Hörst Du rauschen den Wasserfall?
Er begleitet das Saitenspiel
Meiner Lyra in Herzgestalt –
Herzliche Melodei!

Freund, ich kauer zu Füssen Dir,
Schmieg mein Haupt so vertraut an dich,
Denke an Einst, – an das schöne Einst,
Wie es geheiligt wurde.

Ja, geheiligt im Gottes-Reich,
Hier erlöst von der Menschen Wahn,
Von Gesetzen der Wirrweltnatur,
Frei in der Klarwelt.

Tön nun auch der Befreiung Lied,
Weck Akkorde, die wundersam
Liebeszauber und Klarweltpracht
Ehren und preisen!

Menschenseele, wie bist du frei,
Frei in holder Gemeinsamkeit,
Wo entdunkelt die Geist-Natur
Wonne Dir spendet!

Welt, du schöne – ja schöner noch
Birgst du Tempel in Lichtgestalt!
Menschenseele, wie bist du reich,
Reich in dem Reich der Liebe!
Wie helle Wasser jubelnd streben
Von hohen Fels herunter!
So wir, wir spielen munter
Ein himmlisch fröhliches Leben:
Auf und ab
Vom Fels zum See herab –
Uns wieder zu erheben –
Ein ewiges Spiel… und tauschen
Die Freude wie schimmernde Bälle;
Derweil die Zweige rauschen
Der Pinie in wogender Helle.

Wir schweben
Auf Wasser, in Lüften,
Erlöst von drohenden Grüften,
In selig luftigem Leben
Von wogenden Düften.

Der Klarwelt Heiliger Geist,
Der Gnade dem Sehnen erweist
Geläuterter Seele – am Ziele –
Freut sich am kindlichen Spiele.