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3000 Jahre Bolschewismus, Anmerkungen

Diese Aufstellung enthält die Anmerkungen von Elisàr von Kupffer (EvK), welche er im Text eingefügt hatte. Dazu Hinweise und Links auf historische Ereignisse und Erklärungen zu Textstellen, die heute ohne historisches Wissen unverständlich sind.

1 «Russie Democratique», Nr. 8, EvK. retour

2 Anspielung auf den ungarischen Revolutionär Béla Kun, den russischen Revolutionär Adolf Abramowitsch Joffe und wahrscheinlich einem weiterern, der sich das Pseudonym J'accuse gab. Dieser Name ist eine Referenz an die Anklageschrift des französischen Schriftstellers Emile Zola mit dem Titel J'accuse in der Dreyfus-Affäre 1894. retour

3 Sokrates, 469–399 v. Chr. war ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph. Er wurde zum Tode durch den Schierlingsbecher verurteilt. retour

4 Aristeides von Athen, Staatsmann um 550–467 v. Chr.

Ochlokratie, deutsch Pöbelherrschaft, ein abwertender Begriff für eine Herrschaftsform, bei der eine Masse ihre politischen Entschlüsse als Mehrheit oder durch Gewalt durchsetzt.

Scherbengericht, ein Verfahren in den griechischen Stadtstaaten der Antike, vor allem in Athen, unliebsame oder zu mächtige Bürger aus dem politischen Leben der Stadt zu entfernen.

Elisàr von Kupffer gibt hier einen Hinweis zum Wort Eudemokratie, für ihn die Herrschaft der Besten und Tüchtigen. retour

5 Eroberung von Karthago durch die Römer im dritten Punischen Krieg, Eroberung von Korinth durch die Römer, der Aufstieg Roms zur Weltherrschaft wurde Wirklichkeit. retour

6 Georges d’ Avenel, Les Français de mon temps, Paris, Plon-Nourrit et Cie, 1904, EvK.

Der christliche Orden der Karthäuser mit seiner asketischen und ermitischen Lebensweise.

In seiner langen Regentschaft war Ludwig XV. vor allem mit Kolonialpolitik beschäftigt. Der heutige US-Bundesstaat Louisiana ist nach ihm benannt. retour

7 Johann Wilhelm von Archenholz, Annalen der britischen Geschichte, 1790, EvK. retour

8 Die Teilung Polens unter den Grossmächten Preussen, Russland und Österreich. retour

9 Vertreibung der ethnischen Deutschen und Ruthenen aus der zweiten Polnischen Republik, als Polen nach dem 1. Weltkrieg wieder ein eigenständiger Staat wurde. retour

10 Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Belgien entsprechend dem Schlieffen-Plan überfallen und von der deutschen Armee fast gänzlich eingenom­men. Das Kriegsziel, Frankreich zu besiegen, gelang aber nicht. Die Front verlief quer durch ganz Europa entlang der französichen Ostgrenze, es kam zum 4-jährigen Stellungskrieg, in dem Millionen von Soldaten, ohne militärische Erfolge zu erringen, ihr Leben lassen mussten. Der Roman von Erich Maria Remarque Im Westen nichts Neues schildert eindrücklich den Kriegsalltag der Soldaten an dieser Front. retour

11 Belgische Kolonien, der Kongo (Zaire) war die wichtigste Kolonie und wurde rücksichtlos ausgebeutet. Kongogräuel

Roger Casement war ein britischer Diplomat, der entscheidend an der Aufklärung der Kongogräuel beteiligt war und sich später als irischer Nationalist für die Unabhängigkeit Irlands von Grossbritannien einsetzte. Während des Ersten Weltkrieges verhandelte er mit der deutschen Regierung über eine Unterstützung des irischen Widerstands. Von den Briten als Verräter und von den Iren als Nationalheld angesehen, wurde er 1916 wegen Hoch­ver­rats verurteilt und gehängt. retour

12 Emil Schmidt, Ceylon, Berlin, Schall & Grund, 1897, EvK. retour

13 Johann Willhelm von Archenholz, Britische Annalen, 1790, Seite 21, EvK.

Die Britische Ostindien-Kompagnie entstand durch einen Freibrief, den Königin Elisabeth I. verschiedenen reichen Londoner Kaufleuten 1600 ausstellte. Die Gesellschaft herhielt das exklusive Recht, mit Ostindien Handel zu treiben. Ihre Privatarmee verdrängte die Portugiesen und Holländer und erhielt auch die Zivilgerichtsbarkeit, die Militärgewalt und das Recht, mit den «Ungläubigen» in Indien Krieg zu führen und Frieden zu schliessen. Später erhielt sie noch das Recht, Festungen zu bauen, Truppen auszuheben und Münzen zu schlagen. Die Geschäfte der Gesellschaft blühten in nie gekanntem Ausmass und man erhielt einen bedeutenden Einfluss auf die politischen Verhältnisse in Indien. Zunehmende Aufstände führten dazu, dass man 1858 die Rechte der Kompanie an die britische Krone übertrug. retour

14 Nach dem Herrschaftsantritt seines Vaters Vespasian im Jahr 69 beendete Titus als militärischer Oberbefehlshaber den Jüdischen Krieg, wobei Jerusalem und sein Tempel zerstört wurden. Für seinen Sieg wurde er mit einem Triumphzug und dem Titusbogen in Rom geehrt. Aus der Kriegsbeute finanzierten die Flavier ihre Bautätigkeit in Rom, Titus selbst liess das Kolosseum vollenden.  retour

15 Im Lauf des 7. Jahrhunderts hatten die Sachsen Westfalen in Besitz genommen. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts zogen der fränkische Hausmeier Karl Martell und seine Söhne mehr als zehnmal gegen die Sachsen. Karl der Grosse führte die Kriege gegen die Sachsen fort. retour

16 Bereits als Kronprinz versuchte Christian II. im Dänisch-Schwedischen und Dänisch-Hanseatischen Krieg die Herrschaft über Schweden zu erlangen. Nach seinem Sieg über die Schweden liess er am 7. November 1520 viele führende schwedische Adlige und Geistliche unter Mithilfe von Gustav Trolle als angebliche Ketzer verhaften und hinrichten. retour

17 Als Hochverräter und Rebell wurde Graf Lamoral von Egmond gleichzeitig mit Philippe de Montmorency, Graf von Hoorn auf den Befehl von Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba, am 5. Juni 1568 auf dem Grossen Markt in Brüssel enthauptet. Sein umfangreiches Vermögen wurde eingezogen. Das Datum dieser Hinrichtung markiert den Beginn des Achtzigjährigen Krieges, in dem sich die Niederländer schliesslich von der Herrschaft der Spanier befreiten. retour

18 Beim Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) begann für Graf Johann T’Serclaes von Tilly eine steile Karriere als Feldherr der Katholischen Liga. Am 20. Mai 1631 eroberte er die Stadt Magdeburg. Ein Brand verwandelte sie in einen Trümmerhaufen. Die Verwüstungen der Stadt gingen so weit, dass Magdeburg als Sinnbild für Zerstörung und Grausamkeit in die Geschichte einging. retour

19 Die französischen Truppen von Ezéchiel de Mélac verwüsteten mit grosser Brutalität während des Pfälzer Erbfolgekriegs 1688–1697 grosse Teile der Kurpfalz und Städte in Württemberg und Baden. Die barbarischen Taten hatten die Absicht, die Lebensgrundlage der Bevölkerung zu zerstören, und so den Deutschen Kaiser gefügig zu machen. retour

20 Louis-Nicolas Davoût, duc d'Auerstedt, prince d'Eckmühl et de l'empire war ein französischer General, Pair und Maréchal d’Empire. Er gilt als einer der besten Generale Napoleons. Wegen seiner Strenge und Disziplin erhielt er den Beinamen «der eiserne Marschall» und wegen seines strengen Regiments als Generalgouverneur des Hansea­tischen Departements nannte man ihn den Robespierre von Hamburg. retour

21 Das Osmanische Reich erlebte nach der Jahrhundertwende Missernten, Wirtschafts­krisen und Zerfall. Die nicht muslimische Bevölkerung, meist Händler und Kaufleute, wurden systematisch drangsaliert. Die Juden wanderten aus nach Übersee und Palästina, die Griechen flohen nach Griechenland oder Übersee. Die Armenier wurden vom zaristischen Russland nicht aufgenommen, man trieb sie zusammen und der lange Marsch begann, bis sie in der syrischen Wüste verreckten. Der Genozid an den Armeniern.

Die revolutionären Unruhen im zaristischen Russland von 1905 bis 1907 führten auch zu Progromen an der jüdischen Bevölkerung, vor allem im Polen und in der Ukraine, damals Teil des russischen Reiches. Russische Revolution. Siehe dazu auch das Theaterstück von Elisàr von Kupffer Feuer im Osten.

Die Deutsch-Balten wurden als Reaktion des Angriffs der Armen des deutschen und österreicheich-ungarischen Kaisers auf Russland im 1. Weltkrieg aus ihrem Heimatland vertrieben. Elisàr von Kupffer lebte damals in Italien und verliess dieses wegen zuneh­mender Deutschfeindlichkeit und fand Zuflucht im Tessin. Er sah seine Heimat nie wieder. retour

22 Gaius Sempronius Gracchus war ein römischer Politiker. Er war der jüngere Bruder des Tiberius Sempronius Gracchus und verfolgte wie dieser ein populares politisches Programm, was dazu führte, dass konservative Kräfte des römischen Senats ihn aus­schal­teten und ein Massaker unter seinen Anhängern verübten. retour

23 Gaius Marius war ein römischer Feldherr und Staatsmann. Während seiner Lauf­bahn bekleidete er insgesamt siebenmal – und damit so oft wie kein Mann vor ihm – das Konsulat. Während seiner Regierungszeit gab es verschiedenste Machtkämpfe, Umsturz­ver­suche und Bürgerkriegswirren. Er musste Rom 88 v. Chr. verlassen. Im Jahr 87 v. Chr. kehrte er nach Italien zurück und schloss sich anderen Vertriebenen an. Sie erlangten gemeinsam die Kontrolle über Rom. Die Führer der Gegenseite wurden liquidiert oder begingen Selbst­mord. retour

24 Lucius Cornelius Sulla Felix war ein römischer Politiker, Feldherr und Diktator in der Spätphase der Republik. Nach dem Sieg im Bürgerkrieg liess Sulla sich 82 v. Chr. zum Diktator ernennen. Er liess tausende römische Adlige töten. Seine Verfassungsreformen zielten auf nachhaltige Restauration der Senatsherrschaft und die Schwächung demokra­tischer Institutionen. Im Jahre 79 v. Chr. legte Sulla die Diktatur nieder und zog sich in das Privatleben zurück. Seine Schreckensherrschaft konnte den Bürgerkrieg und den Untergang der alten Republik indes nur kurzzeitig aufhalten. Sullas Name steht bis zur Gegenwart für Grausamkeit und Terror. retour

25 Dino Compagni: Cronaca Fiorentina III., 16/17, EvK. Cronaca Firoentina Edizione di M. Guigoni, 1860 retour

26 Philipp IV., genannt der Schöne, etablierte Frankreich als Grossmacht in Europa und errichtete mit einer kompromisslosen Autorität ein modernes, frühabsolutistisches Staatswesen. Besondere Bedeutung besitzt seine Regentschaft wegen der Überführung des Papsttums nach Avignon und der Zerschlagung des Templerordens. Sein Beiname ist zeitgenössisch und bezieht sich auf sein Aussehen, welches dem Ritterideal seiner Zeit entsprochen haben soll. retour

27 Moriscos, deutsch Morisken, sind zum Christentum zwangskonvertierte Mauren, die nach dem Abschluss der Reconquista in Spanien lebten. Im Jahr 1609 unterzeichnete König Philipp III. von Spanien ein Edikt, das die Ausweisung aller Moriscos anordnete. Ihnen wurden 3 Tage gelassen, um ihre Habseligkeiten zu ordnen und sich an Bord von Schiffen zu begeben, die sie nach Nordafrika und in das Osmanische Reich brachten. Einigen Moriscos gelang es jedoch, ihre wahre Herkunft zu verbergen und grossen Reichtum durch den Seidenhandel zu erlangen. Diese sogenannten Krypto-Muslime wurden von der Inquisition erst unter der Regentschaft von Philipp IV., 1727 aufgespürt. retour

28 Die Septembermassaker zwischen dem 2. und 6. September des Jahres 1792 gelten als einer der dunkelsten Punkte der Französischen Revolution. Als im September 1792 preussisch-österreichische Truppen unter dem Oberbefehl des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand auf französisches Gebiet vorrückten, liess dieser ein Manifest veröffentlichen, das den Revolutionären für den Fall einer Beleidigung der königlichen Familie blutige Rache androhte. Der amtierende Justizminister Georges Danton, der Publizist Jean Paul Marat und der Dichter Fabre d’Églantine hatten mit ihren Aufrufen und Stellungnahmen die Stimmung zusätzlich angeheizt. Nach dem Fall der Stadt Verdun fürchtete man einen direkten Marsch der Alliierten auf Paris. Es kam daraufhin in Frankreich zu einer Massen­hysterie mit Stürmung der Gefängnisse. Zunächst wurden in blinder Wut die inhaftierten Revolutionsgegner, dann auch die übrigen Gefangenen massakriert. In den Jahren darauf folgte die Zeit des Grand Terreur von Robespierre. retour

29 Am Ende des Deutsch-Französischen Krieges bildete sich in Paris spontan ein revolutionärer Stadtrat,  Pariser Kommune genannt, der vom 18. März bis 28. Mai 1871 versuchte, gegen den Willen der konservativen Zentralregierung, Paris nach sozialis­tischen Vorstellungen zu verwalten. Deren Anhänger wurden Kommunarden genannt. Die Pariser Kommune gilt als abschreckendes Beispiel für die Diktatur des Proletariats. Die regulären Regierungstruppen mussten in der verbarikardierten Stadt Ordnung schaffen, die Kämpfe führten zu grossen Zerstörungen. Die Kommunarden ermordeten rund 70 prominente Geiseln. retour

30 Vergleiche Die Gotteslästerung der Bibel in «Heiliger Frühling» von Elisarion, EvK.

Die Gotteslästerungen der Bibel und der Antike, PDF. retour

31 Antiochos der Grosse besetzt 201 v. Chr. weite Teile Palästinas im Fünften Syrischen Krieg ohne grosse Gegenwehr. retour

32 Die Christenverfolgungen im Römischen Reich waren der Versuch, den wachsenden Einfluss des Christentums im Römischen Reich zu unterbinden, zunächst eher spontan und lokal begrenzt, später kaiserlich für das ganze Reich angeordnet. Sie sollten die neue Religion bei der Integration in das römische Gesellschaftssystem verhindern und ihre Struktur zerschlagen.

Die Verfolgungen unter Nero 54–68, die Verfolgungen unter Decius 249–251, die Verfolgungen unter Diokletian und Galerius 303–311.

Der Nachwelt blieb Hypatia hauptsächlich wegen der spektakulären Umstände ihrer Ermordung in Erinnerung. Schon in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts war es in Alexandria zu starken Spannungen zwischen Teilen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und Anhängern der alten Kulte gekommen. Die Christen bemächtigten sich der alten Philosophin, brachten sie in die Kirche Kaisarion, zogen sie dort nackt aus und töteten sie mit «Scherben». Dann rissen sie den Leichnam in Stücke, brachten seine Teile an einen Ort namens Kinaron und verbrannten sie dort. retour

33 Elisàr von Kupffer ist hier ungenau mit seiner Schilderung der historischen Abläufe.

Das Dritte Laterankonzil, 1179, ächtet mit seinem 27. Canon die südfranzösischen Katharer und ähnliche Bewegungen und ihre Unterstützer. Alle Gläubigen werden aufgerufen, zur Vergebung ihrer Sünden die Christenheit mit Waffengewalt zu verteidigen. Fürsten steht es frei, Häretiker zu versklaven und ihre Güter zu konfiszieren. Die Teilnahme an einem Kreuzzug verkürzt auferlegte Busszeiten und garantiert besonderen päpstlichen Schutz.

Gegen die Häretiker wurde von Papst Innozenz III. der Albigenserkreuzzug organisiert. Erstes Ziel war Béziers, das 1209 erobert wurde.

Das Vierte Laterankonzil, 1215, war das bedeutendste Konzil des Mittelalters. Der 3. Canon exkommuniziert und bannt alle Häretiker, die sich gegen die am Konzil definierte Glaubenslehre stellen, und überantwortet sie der weltlichen Gerichtsbarkeit. Verdächtige werden mit dem Bann belegt und, wenn sie nicht innerhalb eines Jahres ihre Unschuld nachweisen, wie erwiesene Häretiker behandelt. Weltliche Mächte, die sich an der Ausrottung der Ketzer nicht beteiligen, werden ihrerseits nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei.

Zur Beurteilung, ob jemand zu den Häretikern gehört, gab es das juristische Prozess­ver­fahren der Inquisition. retour

34 Jan Hus, war ein böhmischer christlicher Theologe, Prediger und Reformator. Er war zeitweise Rektor der Karls-Universität Prag. Nachdem er während des Konzils von Konstanz seine Lehre nicht widerrufen wollte, wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Tschechien gilt Hus als Nationalheiliger. retour

35 Tomás de Torquemada war ein spanischer Dominikaner, Beichtvater von Isabella von Kastilien und der erste Grossinquisitor Spaniens. retour

36 Die Bartholomäusnacht war ein Massaker an französischen protestantischen Adligen in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572, dem Bartholomäustag. Admiral Gaspard de Coligny und weitere Führer der französischen Protestanten, Hugenotten genant, wurden dabei ermordet. Sie waren anlässlich der als Akt der Versöhnung deklarierten Hochzeit von Margarete von Valois mit Heinrich von Navarra, dem späteren König Heinrich IV. von Frankreich, in Paris versammelt. In derselben Nacht wurden auch Tausende von Pariser Protestanten ermordent und in den folgenden Tagen ging in ganz Frankreich das Morden weiter. Die Bartholmäusnacht gilt als schändlichster Verrat diplomatischer Gepflogenheiten. retour

37 Giordano Bruno war ein italienischer Priester, Dichter, Philosoph und Astronom. Er wurde durch die Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und vom Gouverneur von Rom zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums und die ewige Dauer des Universums. Damit stellte er sich der damals herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Viel schwerer wog, dass seine Thesen von einer unendlichen materiellen Welt keinen Raum für ein Jenseits lassen, da die zeitliche Anfangslosigkeit des Universums eine Schöpfung durch Gott und dessen ewiger Bestand ein Jüngstes Gericht ausschliessen. retour

38 Heinrich IV., der selbst nach seiner Thronbesteigung vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierte und nach seinem Sieg über die ihn bekämpfende Katholische Liga das Land zu befrieden versuchte, unterzeichnete den Edikt am 13. April 1598 in Nantes. Es gewährte den Calvinisten Gewissensfreiheit und die freie Religionsausübung in der Öffentlichkeit, ausgenommen in Paris und Umgebung, sowie in Städten mit Bischofssitz oder königlichen Schlössern. Am 18. Oktober 1685 widerrief König Ludwig XIV. den Edikt. Damit wurden die französischen Protestanten aller religiösen und bürgerlichen Rechte beraubt. Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende, vor allem in die calvinistischen Gebiete der Niederlande, die calvinistischen und reformierten Gebiete der Schweiz und nach Preussen. retour

39 Während Calvins Wirken in Genf kam es immer wieder zu schweren Körperstrafen, Ausweisungen oder sogar zu Hinrichtungen von Andersgläubigen, von denen allein für die Jahre 1542 bis 1546 38 Fälle belegt sind. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, welchen persönlichen Anteil Calvin an diesen Verfolgungen hatte, seit seinen Lebzeiten Gegenstand heftigster Kontroversen. Seine Verteidiger weisen darauf hin, dass Calvin keinem der Entscheidungsgremien angehörte, welche diese Urteile fällten. Darüber hinaus sind Stellungnahmen von Calvin erhalten, in denen er davon Zeugnis ablegt, sich um Milderung von Strafen bemüht zu haben. Doch Ratsprotokolle und Predigtabschriften, legen davon Zeugnis ab, dass Calvin, der immer wieder bei Sitzungen der verschiedenen mit den Urteilen befassten Ratsgremien angehört wurde, sich in Wort und Schrift persönlich vehement für Verfolgung und Verurteilung Andersgläubiger einsetzte und bei seinen Sonntagspredigten Ratsmitgliedern den Kirchenbann androhte, falls sie nicht in seinem Sinne stimmten.

Beim bekanntesten Opfer, dem von Calvin nach seiner Entdeckung an die weltliche Obrig­keit ausgelieferten Arztes und Theologen Michael Servetus, der 1553 auf dem Scheiter­haufen verbrannt wurde, spielten neben der persönlichen Abneigung zwischen Servetus und Calvin auch theologische und politische Gründe eine Rolle für dessen Verurteilung. Die weltlichen Behörden von Genf befürchteten politische Schwierigkeiten, wenn sie ein nicht-trinitarisches Bekenntnis zugelassen hätten. Deshalb drangen sie auf Härte und fühlten sich durch die eingeholten Stellungnahmen anderer reformierter Städte bestärkt. retour

40 Johan van Oldenbarnevelt war ein niederländischer Staatsmann und gilt als Gründer der Republik der Vereinigten Niederlande. In den 1590er Jahren führte Spanien nicht nur Krieg gegen die Niederländer, sondern auch noch gegen die Engländer und Franzosen. Dies bewirkte eine Überspannung seiner Kräfte. Die damals entstehende Republik nutzte dies. Deren Militäroperationen wurden vom jungen Moritz von Oranien geleitet. Seine grosse Armee konnte nur finanziert werden, weil die Niederlande damals einen enormen Wirt­schafts­aufschwung erlebten, vor allem Dank der etwa 150 000 calvinistischen Flüchtlinge. Dennoch war der Krieg gegen Spanien so kostspielig, dass Oldenbarnevelt schliesslich die Aufnahme von Friedensverhandlungen einleitete. Vor allem die aus Flandern und Brabant geflohenen Calvinisten betrachteten dies als Verrat. Sobald die äussere Bedrohung wegfiel, traten die religiösen Spannungen offen zutage. Am Morgen des 29. August 1618 wurde Oldenbarnevelt beim Betreten der Regierungsgebäude in Den Haag verhaftet. Am 12. Mai 1619 wurde ihm das Todesurteil überbracht, und am Morgen des darauffolgenden Tages wurde der 71-Jährige vor dem Rittersaal im Binnenhof enthauptet.

Prädestination bedeutet Vorherbestimmung und ist ein theologisches Konzept, dem zufolge Gott von Anfang an das Schicksal der Menschen vorherbestimmt. Insbesondere geht es dabei um eine Erwählung einzelner Seelen zum ewigen Leben oder zu ewiger Verdammnis. retour

41 Das Ponifikat von Papst Innozenz VIII. ist der Nachwelt vor allem bekannt durch seine Förderung von Inquisition und Hexenverfolgung mit der Bulle Summis desiderantes affectibus aus dem Jahr 1484. Sie bewirkte, vor allem in den deutschen Ländern, eine starke Zunahme von Hexenprozessen, noch verstärkt durch den 1487 von Heinrich Institoris unter Mitwirkung von Jakob Sprenger veröffentlichten Hexenhammer.

Die Hexenverfolgungen in Europa fanden überwiegend in der Frühen Neuzeit von 1450 bis 1750 statt. Den Höhepunkt erreichten sie zwischen 1550 und 1650. Am stärksten waren die deutschen Länder und die daran angrenzenden Gebiete betroffen. Hexenverfolgungen wurden teilweise aktiv, wie auch gegen den Willen der Obrigkeit eingefordert und praktiziert. Frauen stellten die Mehrzahl der Opfer. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Konfes­sions­zugehörigkeit und Hexenverfolgung liegt nicht vor, allerdings gab es in rein katholi­schen Gebieten so gut wie keine Hexenverfolgungen.

Benedikt Carpzov der Jüngere war deutscher Strafrechtler und Hexentheoretiker. Er gilt als einer der Begründer der deutschen Rechtswissenschaft. In Prozessen gegen Hexen, an deren Existenz Carpzov nicht zweifelte, werden ihm eine Vielzahl von Todesurteilen nachgesagt. Allerdings ist keine einzige Beteiligung Carpzovs an einem solchen Todesurteil nachweisbar.

Friedrich Spee war ein deutscher Jesuit. Er wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse, aber auch als Kirchenlieddichter. Das Erzbistum Köln führt ihn als heiligmässige Person.

Adam Tanner war Jesuit, Theologe der Gegenreformation, Professor der Theologie und Hexentheoretiker. In mehreren Veröffentlichungen wandte er sich gegen die Hexen­ver­folgung. retour

42 Vergleiche im Kunstwart und Kulturwart Nr. 10, 2. Februar-Heft 1920: «Wo ist Eros geblieben? von P. Th. Hoffmann, Evk.

Die Situation der Homosexualität der Griechen stellt sich in den Quellen des klassischen Athens als relativ eindeutig dar. Die erotisch-sexuell konnotierte Liebe eines älteren Mannes zu einem Jungen, der sich in der Pubertät befand, galt während der archaischen und früh­klassischen Epoche Athens gesellschaftlich als legitim und wurde teilweise gefördert. Es gibt zahlreiche Gedichte, die solche Liebesbeziehungen zum Thema haben.

Für die Dorer (Sparta, Korinth, Kreta) zeichnen die Quellen ein etwas anderes Bild. Die Quellen scheinen für diese Orte eine allgemeine Akzeptanz auch unter gleichaltrigen Männern zu belegen, wobei parallel dazu auch die Paiderastia griechisch-klassischer Ausprägung praktiziert wurde. retour

43 In der christlichen Bibel findet sich nichts im Buche Esra und Nehemia zur Homo­sexualität. Dafür im Leviticus (3. Buch Moses) 18.22 Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel. 20.13 Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Nach der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft hat Esra, um die reli­giöse Einheit stärken, dafür gesorgt, dass die judäischen Familien ihre heidnischen Ange­hö­rigen verstiessen. So wollte er das Volk auf einen erneuten Bund mit Gott vor­be­reiten. Vierzehn Jahre später (unter der Mitwirkung des aus Persien gekommenen jüdischen Statthalters Nehemia) wurde am Neujahrstag die Tora der Gemeinde vorgelesen. Drei Wochen später unterzeichneten Priester, Leviten und Familienhäupter eine Verpflichtung, künftig nach dem Gesetz der Tora zu leben. Esra gilt als Urvater des Jüdischen Rechts. Für die späteren Gelehrten des Talmud war und ist er der zweite Moses.

Die Verurteilung der Homosexualität geht also auf Moses zurück. Bibeltexte zur Homosexualität. Die jüdische Auslegung des mosaischen Gesetzes ist aber weit weniger rigoros, als die christliche der frühen Neuzeit, und wie dies in evangelikalen Kreisen noch heute üblich ist.

691 berief Kaiser Justinian II. ein Konzil ein. Mit den Konzilbeschlüssen hat er das Staats­kirchenrecht erneuert und vereinheitlicht. Weiter wollte er damit die Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen Kirche durch ein Machtwort beseitigen, was aber nicht gelang.

Die Heilige Schar war eine Eliteeinheit der antiken thebanischen Streitkräfte, die aus 150 männlichen Liebespaaren bestand und vom Feldherrn Gorgidas gegründet wurde. Sie stellte den Kern der thebanischen Phalanx dar.

Der Begriff arisch bzw. Arier stammt ursprünglich aus der Sprachwissenschaft. Als Arier wurden früher Menschen aus dem indo-iranischen Sprachgebiet bezeichnet, d.h. Menschen, die im Gebiet des heutigen Irans bis zum Nordwesten Indiens (Pakistan) leben. Die Sprachen, die dort gesprochen werden, sind Teil der indogermanischen Sprachfamilie, zu der auch die griechische und deutsche Sprache zählt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Begriff des Ariers verfremdet bzw. abgewandelt und auf die weisse oder auch nordische Rasse übertragen. Die Wissen­schaft­ler, die den Begriff umdeuteten, waren der französische Historiker Joseph Arthur de Gobineau (1816–1882) und der Deutsch-Brite Stewart Chamberlain (1855–1927).

Gobineau hat in seinen Schriften Menschen in «höhere» und in «niedere» Rassen eingeteilt. Er ging das davon aus, dass die «arische weisse Rasse» allen anderen Rassen überlegen sei. Die niederen Rassen hatten sich der weissen Rasse unterzuordnen. Nur die weisse Rasse war Träger der Kultur. Keinesfalls sollten sich die Rassen mischen, denn dadurch wäre ja die Überlegenheit der «weissen arischen Rasse» verloren. – Dies ist natürlich absoluter Quatsch!

Tatsache ist, die Griechen sind spät in der Geschichte (um 1400–1200 v. Chr.) aus Innerasien nach Westen gezogen und haben sich mit den in der Ägäis schon ansässigen Menschen (Mykener, Minoer) vermischt, oder diese teilweise verdrängt, und sind dann durch technisch-zivilisatorische Überlegenheit zur bestimmenden Kultur geworden. Ähnlicher Herkunft sind die Germanen, die laut den römischen Geschichtsschreibern um 200 v. Chr. in Friesland lebten (Belgien, Holland, Nordeutschland). Es gibt daher kulturelle Gemeinsam­keiten der alten Germanen und alten Griechen (Schriftzeichen, sprachliche Syntax, Götter­welt). Elisàr von Kupffer braucht das Wort arisch wohl in diesem Sinne und steht bei ihm für kraftvoll, mutig, edel. retour

44 Oscar Wilde war ein irischer Schriftsteller. Als Lyriker, Roman­autor, Dramatiker und Kritiker wurde er zu einem der bekanntesten und – im viktoria­ni­schen Grossbritannien – auch umstrittensten Schriftsteller seiner Zeit. Aus seiner Ehe mit Constance Lloyd gingen zwei Söhne hervor. Wildes langjähriges Verhältnis zu dem 16 Jahre jüngeren Lord Alfred Douglas (genannt Bosie) führte schliesslich durch eine gezielte Provokation durch dessen Vater, John Sholto Douglas, 9. Marquess of Queens­berry, zu einem gesellschaftlichen Skandal, drei Gerichtsverfahren und Wildes Niedergang. Wegen homosexueller «Unzucht» wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt; sie ruinierten seine Gesundheit. Nach seiner Entlassung lebte er verarmt in Paris, wo er im Alter von 46 Jahren starb.. retour

45 Im Zuge der Französischen Revolution 1789 wurden die Vorrechte des Adels und der Kirche aufgehoben. Die «gottgewollte Ordnung» gab es nicht mehr und die Gerichtsbarkeit, welche diese Ordnung sanktionierte, wurde durch den «Code civil» ersetzt, den man später Code Napoléon nannte. Darin waren keine Bestimmungen über «Sodomie» und «Ketzerei» enthalten. In heutiger Sprache heisst das, Sonderartikel für Schwule waren abgeschafft.

Nach der Besetzung durch die napoleonischen Truppen 1798 galt das Französische Recht auch in der Schweiz. Aber die teilweise Restauration der alten Ordnung nach 1815 brachte für jeden Kanton ein eigenes Strafgesetz, worin zumeist Bestimmungen über «Unzucht», also homosexuelle Handlungen, wieder eingeführt wurden. Dies hauptsächlich in der Deutschschweiz. In Genf galt der Code Napoléon bis 1912, in den Kantonen Waadt, Wallis, Neuenburg und Tessin war er Grundlage der Gestzgebung. Das Tessiner Strafgesetzbuch von 1873 kannte keine Sonderartikel für mann-männliche sexuelle Handlungen. Auch in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal gab es diese nicht. Ab 1942 gibt es ein einheitliches Schweizer Strafgesetz, ohne mann-männliche sexuelle Handlungen als Straftatbestand. Allerdings gab es ein höheres Schutzalter für diese Akte, eine Sonderbestimmung die erst mit der Revision des Sexualstrafrechts 1992 abgeschafft wurde.

Anders dagegen war die Situation in Deutschland. Im Jahre 1794 wurde derArt. 175 mit dem Verbot von gleichgeschlechtlichen Handlungen im Königreich Preussen eingeführt, und ersetzte die vorher gültige Todesstrafe für Sodomie. Die Bestrafung blieb. Ab 1871 galt der Art. 175 im gesamten Deutschen Kaiserreich. Erst 1994 wurde der Art. 175 ersatzlos aufgehoben.  retour

46 Die Geburt eines Kindes ausserhalb einer Ehe wird rechtlich als Unehelichkeit bezeichnet; sie wurde früher auch Illegitimität genannt und galt als Ehrenmakel. Je nach kulturellem und sozialem Umfeld galten uneheliche Geburten als Schande für die Mutter und das Kind. Die Mutter wurde der Hurerei verdächtigt und die Kinder sah man als prädestinert der Verdorbenheit zu verfallen. Sie hatten oft Sanktionen zu tragen, beispiels­weise wurden sie nicht in die Handwerkergilden aufgenommen. In der römisch-katholischen Kirche galt die uneheliche Geburt bis 1983 als Weihehindernis für die Priesterweihe. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, welchen Drangsal solche Kinder bis in die 1970er Jahre erleiden mussten.

Eine im deutschen Sprachraum veraltete Bezeichnungen für uneheliche Kinder ist Bastard, und ist noch heute ein häufiges Schimpfwort in Italien «Bastardo» oder in den USA «Bastard». retour

47 Vor allem in den Südstaaten der USA ist der rassistische und gewalttätige Geheimbund Ku-Kux-Klan verbreitet. Der Klan war 1865–75 und 1915–44 als einheitliche Organisation aktiv, seine Gewalttaten richteten sich gegen Schwarze und deren Beschützer. retour

48 «Corriere della Sera», 2. Febr. 1920, Evk. retour

49 Der evangelikale Protestantismus ist ein integraler Bestandteil der Kultur in den USA. Besonders ausgeprägt ist dieser im Süden und mittleren Westen, Bible Belt genannt. In einigen dieser Staaten herrschen noch heute puritanischen Ansichten im Stile Calvins, sowie die Prohibition. Präsident George W. Bush (der Jüngere) hat fast alle seine Reden mit «In God we trust» oder mit «God save Amerika» abgeschlossen. In europäischen Ohren war das immer eine inhaltslose Phrase. Der 28. Präsident der Vereinigten Staaten von 1913 bis 1921, Thomas Woodrow Wilson, war Sohn eines Pfarrers der Presbyterianischen Kirche in Virgina. Sein Vater sah keinen Widerspruch in der christlichen Lehre zur Sklaverei, er war ja selbst Sklavenhalter. Wilson schloss seine erste Inaugurationsrede ab mit den Worten «God helping me, I will not fail them, if they will but counsel and sustain me!» retour

50 Elisàr von Kupffer, Leben und Lieben, Gedichte, München, Verlag Akropolis, 1895, EvK. retour

51 Elisàr von Kupffer meint hier mit Präventivkrieg wohl den japanischen Angriff auf Port Arthur, 1903, welcher den Russisch-Japanischen Krieg auslöste. Der Angriff hatte das Ziel, die Expansion des Zarenreiches im Fernen Osten zu stoppen und rückgängig zumachen. Mit dem Sieg Japans wurden diese Ziele erreicht. Das zaristische Russland stürzte daraufhin in eine Krise und ging während des 1. Weltkrieges unter. Nach der Februar-Revolution 1917 dankte der Zar ab. Mit der Oktober-Revolution 1917, tatkräftig unterstützt von der deutschen Heeresleitung und dem deutschen diplomatischem Korps, übernahmen die Bolschewisten die Macht.

Die Nazis stellten ihren Angriff auf Sowjetrussland 1941 als Präventivschlag dar. Das war aber reine Propaganda, Sowjetrussland war 1941 zum Angriffskrieg weder fähig noch willens. retour

52 Vergleiche Dr. Eduard von Mayer, Stirner oder Marx?, in der Zeitschrift «Das neue Europa», Nov./Dez. 1920, Evk. retour

53 Der Monismus ist die philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen. In der Religion stehen monistische Lehren oft dem Pantheismus oder dem Panentheismus nahe, die eine Gegenwart des Göttlichen in allen Erscheinungen der Welt sehen. retour

54 Vergleiche Dr. Eduard von Mayer, Die Märchen der Naturwissenschaft, «Lebenswerte», Jena, Hermann Costenoble, 1907, EvK.

Vergleiche Dr. Eduard von Mayer, Von Büchner bis zum Bolschewismus, «Neue Zürcher Zeitung», 23. November 1919, EvK. retour

55 Ernst Haeckel war ein deutscher Zoologe, Philosoph und Freidenker, der die Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute. Im Rahmen seiner Auseinandersetzungen mit der Übertragbarkeit rassischer Kategorien auf die gesell­schaft­liche Entwicklung des Menschen zählt Haeckel zu den schliesslich entschiedenen Vertretern einer «eugenischen» Sozialpolitik. Aufgrund seiner Überlegungen zur «künstlichen Züch­tung» des Menschen in modernen Gesellschaften gilt Haeckel als Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. National­sozialis­­tische Ideologen zogen Ausschnitte seiner Aussagen später als Begründung für ihren Rassismus und Sozialdarwinismus heran. retour

56 Wilhem Ostwald, Monistische Sonntagspredigten, Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig, 1911, EvK.

Friedrich Wilhelm Ostwald war ein deutsch-baltischer Chemiker und Philosoph. Er gilt als einer der Begründer der Physikalischen Chemie und lehrte an der Universität Leipzig. 1909 erhielt Ostwald den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten über die Katalyse sowie seine Untersuchungen über Gleichgewichtsverhältnisse und Reaktionsgeschwindigkeiten. Im Jahre 1895 trug Ostwald seine naturphilosophischen Überlegungen erstmals in zusammen­hän­gen­der Form vor und vertrat die These, dass die Materie nur eine besondere Erscheinungs­form der Energie sei, die damit als primär gelten könne.

Von 1911 bis 1915 war Ostwald Vorsitzender des im Jahre 1906 von Ernst Haeckel gegründeten Deutschen Monistenbundes und stand in dieser Zeit auch mit anderen Organisationen der gleichen Denkrichtung in engerem Kontakt. Die Organisation setzte sich ein für eine naturwissenschaftlich begründbare Weltanschauung und bezeichneten dies als Monismus.retour

57 Elisàr von Kupffer nennt hier die grossen Verbrecher gegen die Menschlichkeit und des eigenständigen Seins des Menschen: Sulla, Torquemada, Napoleon und Lenin. Dass diese noch weit übertroffen werden könnten, war damals ausserhalb aller Vorstel­lungs­kraft: es folgten Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot. Und es gibt diese Art Menschen, die von Macht und Gewalt berauscht sind, auch in der heutigen Zeit: Saddam Hussein, Osama bin Laden,Abu Bakr al-Baghdadi. retour

58 Elisàr von Kupffer, Hymen der Heiligen Burg, München, Klaristischer Verlag Akropolis, 1913, EvK. PDF

Oswald Spengler war ein deutscher Geschichtsphilosoph, Kulturhistoriker und anti­demo­kratischer politischer Schriftsteller. In seinem Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes, 1918/1922 richtet sich Spengler gegen eine lineare Geschichtsschreibung, welche die Geschichte «der Menschheit» als Geschichte des Fortschritts erzählt. Stattdessen vertritt er eine Zyklentheorie, nach der immer wieder neue Kulturen entstehen, eine Blütezeit erleben und nach dieser Vollendung untergehen. Die Prognose der künftigen Entwicklung des Abendlandes formuliert die berühmte These des «Untergangs», verstanden als notwendiger und im Grunde «natürlicher» Abschluss einer vorausgehenden Blüte- und anschliessender längerer Abstiegszeit, mit nachfolgender charakteristischer «Fellachen-Unkultur». Diese Interpretation ersetzt die vor dem Ersten Weltkrieg noch weitverbreitete Vorstellung eines kontinuierlichen und geschichtsnotwendigen Fortschritts der Mensch­heits­geschichte. retour

59 Der Ausdruck Pantheismus bezeichnet die Auffassung, dass «Gott» eins ist mit dem Kosmos und der Natur. Das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur des Universums gesehen, es existiert in allen Dingen und beseelt auch alle Dinge der Welt, bzw. ist mit der Welt identisch. – Somit gibt es kein personifizierter Gott. Arthur Schopenhauer kritisierte den Pantheismus als Euphemie für den Atheismus: «Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloss ein missbrauchtes Wort.»

Anders der Monismus, eine philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt sich auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen. Was das sein könnte, ist Ansichtssache: Gott von dem man sich kein Bild machen sollte, kosmische Energie, Quantenphysik, Quarks usw.

Atheismus bezeichnet die Abwesenheit oder Ablehnung des Glaubens an Gott bzw. Götter. Ein Atheist ist der Überzeugung, dass es Gott oder Gottheiten nicht gibt.

Der Begriff Monotheismus bezeichnet Religionen bzw. philosophische Lehren, die einen allumfassenden Gott kennen und anerkennen: Christentum, Judentum, Islam, Zarathustra, Buddhismus usw.

Anders derPolytheismus, der viele Götter kennt und verehrt: Die griechisch/römische Götterwelt, die Götterwelt der Germanen, die ägyptischen Götter, die baylonischen Götter, die hinduistischen Götter usw.

Aus den Schriften und Bildern von Elisàr von Kupffer geht hervor, dass er den chrsitlichen Gott anerkennt und auch Andacht in Form von Psalmen und Liedern mit ihm hält. Hymnen der Heiligen Burg PDF. Aber sein Gott zeigt sich nicht in dieser Wirrwelt, er straft nicht, sondern weist den Weg zur Klarwelt, in eine Welt der Schönheit, Harmonie und Liebe (mit all ihren sexuellen Freuden). Die Klarwelt der Seligen retour

60 Emanation ist ein Begriff der Philosophie und der Religionswissenschaft. Er bezeichnet in metaphysischen und kosmologischen Modellen das «Hervorgehen» von etwas aus seinem Ursprung. Der Begriff Emanation wird nicht nur für das Hervorgehen, sondern auch für das Hervorgegangene verwendet. In diesem Sinne sagt man beispielsweise, der Einzelne ist eine Emanationen Gottes – oder der Natur. retour

61 Kommunismus ist ein um 1840 in Frankreich entstandener politisch-ideologischer Begriff: Er bezeichnet gesellschaftstheoretische Utopien, beruhend auf Ideen sozialer Gleichheit und Freiheit aller Gesellschaftsmitglieder, auf der Basis von Gemeineigentum und kollektiver Problemlösung. Und Kommunismus sind die Theorien von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin für eine herrschaftsfreie und klassenlose Gesellschaft.

Kommunismus steht aber auch für die Unterdrückung oder Liquidation des Individuums zugunsten einer «besseren Zukunft». Die Prozesse in Russland nach der Oktoberre­volution gegen Feinde der neuen Ordnung oder solche, die verdächtigt wurden, dies zu sein, gleichen in vielem den Hexenprozessen: Schwammige Begriffe der Anklage, keine Einsicht in die Beweise, welche der Ankläger vorbringt, wodurch eine Verteidigung nicht möglich ist, durch Folter erpressete Geständnisse und drastische Strafen. Der Hexenprozess von Salem. Hexenprozesse in der Schweiz. retour

62 Vergleiche Dr. Eduard von Mayer, Die Irrgänge des Geistes, in «Die Zukunft der Natur – Teil I», München-Leipzig, Klaristischer Verlag Akropolis, 1914, EvK.

Mit dem Begriff Nihilismus wird allgemein eine Weltsicht bezeichnet, die die Möglichkeit jeglicher objektiven Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung verneint. Er wurde auch polemisch verwendet, so etwa für Kritiker von Kirche und Religion oder politischer Ordnungen. Umgangssprachlich bedeutet Nihilismus die Verneinung aller positiven Ansätze.

Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Kant zählt zu den bedeu­tend­sten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der moder­nen Philosophie.

Gottfried Wilhelm Leibniz war ein deutscher Philosoph, Mathematiker, Diplomat, Historiker und politischer Berater der frühen Aufklärung. Er gilt als der universale Geist seiner Zeit und war einer der bedeutendsten Philosophen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts, sowie einer der wichtigsten Vordenker der Aufklärung.

Aristoteles gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Philosophen und Natur­forschern bzw. Naturphilosphen der Geschichte. Sein Lehrer war Platon, doch hat Aristoteles zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründet oder massgeblich beeinflusst, darunter Wissenschaftstheorie, Logik, Biologie, Physik, Ethik, Staatstheorie und Poetik. Aus seinem Gedankengut entwickelte sich der Aristotelismus.

Platon war ein antiker griechischer Philosoph. Er war Schüler des Sokrates, dessen Denken und Methode er in vielen seiner Werke schilderte. Die Vielseitigkeit seiner Bega­bungen und die Originalität seiner wegweisenden Leistungen als Denker und Schriftsteller machten Platon zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlich­keiten der Geistesgeschichte. In der Metaphysik und Erkenntnistheorie, in der Ethik, Anthropologie, Staatstheorie, Kosmologie, Kunsttheorie und Sprachphilosophie setzte er Massstäbe auch für diejenigen, die ihm – wie sein Schüler Aristoteles – in zentralen Fragen widersprachen.

Das Wort Theosophie ist eine Sammelbezeichnung für mystisch-religiöse und spekulativ-naturphilosophische Denkansätze, die alles Wissen direkt auf Gott oder das Göttliche beziehen, und in der Betrachtung der Welt zu erfahren glauben. retour

63 Vergleiche Elisàr von Kupffer, Ein Neuer Flug und eine Heilige Burg, EvK. retour

64 Giacomo Leopardi war ein italienischer Dichter, Essayist und Philologe, dem neben Alessandro Manzoni eine entscheidende Rolle bei der Erneuerung der italienischen Literatursprache im 19. Jahrhundert zukam. retour

65 Vergleiche Elisàr von Kupffer, Gottes neue Zeit in der Monatsschrift «Das Neue Europa» Dezember 1919, EvK.

Dr. Eduard von Meyer Eutheismus und Eudemokratie in der Monatszeitschrift «Die Schweiz», März 1920, EvK. retour

66 Elisarion von Kupffer, Ein Neuer Flug und eine Heilige Burg, Seite 135, München, Verlag Akropolis, 1911, EvK. retour

67 Elisàr von Kupffer, Auferstehung – irdische Gedichte, EvK.

Auferstehung – irdische Gedichte (Vorwort, Beispiele), PDF (Original), retour

68 Elisàr von Kupffer, An Edens Pforten, EvK.

An Edens Pforten, retour

Pour être libre, il faut être
doublement consciencieux.

* * *

Um frei zu sein, muss man
doppelt gewissenhaft sein.

Jeanne Céline Emma Baronne de Vietinghoff, geborene Bricou war eine französisch schreibende Schriftstellerin. 1902 heiratete sie den jungen baltischen Baron Conrad von Vietinghoff. Beide verband eine tiefe gegenseitige menschliche Wertschätzung sowie der gemeinsame Sinn für Kunst, Ethik und Religion. Die Familie lebte ab 1916 in Zürich. 1922 erhielt sie das Schweizer Bürgerrecht, da Conrad als russischer Untertan durch die russische Revolution so gut wie staatenlos geworden war. Jeanne führte 25 Jahre lang ein grosses Haus als Treffpunkt zur geistigen Anregungen und zum künstlerischem Austausch.

 

 

Zusammenstellung Thomas Voelkin

Ideas have consequences, and totally erroneous ideas are likely to have destructive consequences. Steve Allen

Ideen haben Konsequenzen, und völlig falsche Ideen werden wahrscheinlich zerstörerische Konsequenzen haben.  Steve Allen

Wirrwelt

Béla Kun während der kommunistischen ungarischen Revolution 1919

Im Dezember 1918 wurde Béla Kun aus russischer Kriegs­gefangenschaft entlassen und nach Ungarn entsandt, um dort für die kommunistische Revolution zu wirken. Das löste einen Bürgerkrieg Ungarn aus, die Kommunisten erhielten Support durch die Rote Armee. Doch die kommu­nis­tische Regierung wurde gestürzt und die Rote Armee zog sich zurück. Er emigrierte nach Österreich und dann in die UDSSR. Dort war er am Roten Terror beteiligt. 1938 wurde er im Rahmen der stalinistischen Säube­rungen erschossen.

Der Tod von Sokartes,
Gemälde von Jacques-Louis David

Sokrates, einer der grössten Philosophen des Altertums, hoch angesehen in Athen, wurde von Neidern wegen Gottlosigkeit und «er verderbe die Jugend» angeklagt, und zum Tode verurteilt. Er wählte für seinen Tod den Schierlingsbecher.

Deutsche Grausamkeiten in Belgien,
Exekutionen mit dem Maschinengewehr.
Illustration der Titelseite der Sonntags-Beilage von «Le Petit Journal», 12. Dezember 1915

Die deutschen Truppen fürchteten sich vor Racheakten der Bevölkerung und ging dabei brutal gegen Zivilisten vor mit Verhaftungen, Erschiessungen und Niederbrennen von Häusern.

Kongo: Drastische Strafen für Kinder

Im Kongo entstanden riesige Kautschukplantagen, welche die traditionelle Wirtschaftsform zerstörten und die Bevölkerung abhängig von Nahrungsmittellieferungen belgischer Unternehmen machten. Ein staatlich sanktio­nier­tes Zwangsarbeitssystem machte die Plantagen rentabel, die «Neger» wurden mit drastischen Methoden «zur Arbeit erzogen».

Armenische Kinder warten auf ihren Abtransport

Die Armenier wurden zusammengetrieben, die wehr­fä­higen Männer aussortiert und gleich in den Tod geschickt. Sondereinheiten erschlugen sie oft noch vor den Toren ihres Wohnortes mit brutaler Gewalt. Frauen, Kinder und Greise mussten unter Bewachung den langen Marsch nach Süden antreten. Ihr Ziel war die syrische Wüste. Doch der Grossteil kam niemals dort an. Mehr und mehr schrumpften die Kolonnen zerlumpter Gestalten, je weiter sie sich auf staubigen Strassen dahinschleppten. Ver­durs­tet, verhungert, erschöpft und von Krankheiten ge­sch­wächt blieben Unzählige am Wegesrand liegen. Ster­­ben­de, verwesende Leichen und Skelette säumten die Todes­routen. In der Wüste angekommen, überliess man sie ihrem Schicksal.

Das verdammte Feld, gekreuzigte Sklaven.
Gemälde von Fjodor Andrejewitsch Bronnikow,
Tretyakov Gallery, Moskau

Die Krise der Römischen Republik mit ihren Bürgerkriegen zwischen 133 und 30 v. Chr. hatte ihre Ursache para­do­xer­weise hauptsächlich in den militärischen Erfolgen. Der Aufstieg Roms zur beherrschenden Macht des Mittel­meer­raums und die enorme Vergrösserung seines Staats­ge­biets erzeugte tiefgreifende soziale Spannungen zwischen verschiedenen Interessengruppen: den adeligen Gross­grundbesitzern, den römischen Kleinbauern, der anwach­senden städtischen Ritterschicht und den mächtiger werdenden Heerführern. Es stellte sich auch die Frage, wer römischer Bürger ist, wer Vasall und wer Sklave. Zu dieser Zeit gab es drei grosse Sklavenauf­stände. Sulla und Gaius Marius gingen mit äusserster Brutalität gegen ihre Gegner vor.

Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792.
Gemälde von Jean Duplessis-Bertaux,
Musée Château de Versailles

Ab 6. Oktober 1789 war der Palais des Tuileries Wohnort der hier zum Arrest verurteilten königlichen Familie. Diese konnte anfangs noch im grösseren Umfang Hof halten, bis sie schliesslich immer stärkere Einschränkungen hinneh­men musste. Am 10. August 1792 kam es zum Tuilerien­sturm durch den aufgehetzten Pöbel. Ein grosser Teil der königlichen Schweizergarde fiel den Angreifern zum Opfer, woran das Löwendenkmal Luzern erinnert. Der König Ludwig XVI., die Königin Marie Antoinette und deren Kinder wurden nach der Erstürm­ung in das Temple-Gefängnis gebracht.

Neros lebende Fakeln.
Gemälde von Henryk Siemiradzki,
National Museum Krakau

Die Neronische Christenverfolgung war eine der frühesten Verfolgungen von Anhängern des damals noch jungen Christentums im Römischen Reich. Sie wurde im Jahr 64 oder 65 n. Chr. von Kaiser Nero angeordnet, weil er laut dem römischen Historiker Tacitus den Verdacht, er habe die Entfachung des grossen Brands Roms vom Juli 64 n. Chr. befohlen, auf die religiöse Randgruppe der Christen abwälzen wollte. Zu den Opfern der Verfolgung sollen auch die Apostel Paulus und Petrus gezählt haben. Durch den historischen Erfolgs-Roman Quo Vadis von Henry Sienkiewicz ist dies tief im christlichen Bewusstsein verankert.

Die grossen systematischen Christenverfolgungen hat Kaiser Diokletian im Jahre 303 angeordnet.

Feuertod des Jan Hus in Konstanz.
Spiezer Chronik von Diebold Schilling, 1485, Burgerbibliothek Bern

Das Konzil von Konstanz war eine Versammlung der Kirchenführung, die auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund einberufen wurde. Die Versammlung sollte das seit 1378 andauernde grosse Abendländische Schisma beenden und damit die Einheit der Kirche wiederherstellen. Das Konzil setzte den Papst Gregor XII. (Rom), den Gegenpapst Benedikt XIII. (Avignon) und den Gegenpapst Johannes XXIII. (Pisa), ab und wählte Martin V. zum neuen Papst. Auch in der Lehre und Auslegung des Christentums einigte man sich auf eine Linie. Die andersartigen Ansichten von Jan Hus wurden als Ketzerei bezeichnet und man liess ihn auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Giordano Bruno vor der Inquisitionskommision.
Relief von Ettore Ferrari, 1888, Campo dei Fiori, Rom

Die katholische Kirche hat sich lange gewehrt gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, welche die Welt anders beschreiben, als im Buch Genesis. Interessanterweise haben die schwer verständliche Quantenphysik und die Relativitätstheorie viel dazu beigetragen, dass man sich heute wieder einig ist.

Sehr vieles weist darauf hin, dass die materielle Welt einen Anfang hatte. Dass sie mit dem Urknall vor etwa 14 Milliar­den Jahren entstanden ist. Das war auch der Anfang von Raum und Zeit. Natürlich ist der Urknall nicht aus dem völligen Nichts gekommen. Es muss «etwas» gegeben haben, was ihn ausgelöst hat. Das kann natürlich nur los­ge­löst von Raum und Zeit gewesen sein. Dieses «etwas» gibt es daher immer noch.

Die Astrophysiker haben berechnet, dass unsere Sonne vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist und noch weitere 8 Milliarden Jahre stabil leuchtet und dann langsam erlischt – das Ende unserer Welt.

Der Urknall basiert auf einer Idee des belgischen Theo­lo­gen und Astrophysikers Georges Edouard Lemaître. Seither sind die christliche Schöpfungslehre und wissen­schaftliche Erkenntnisse wieder eins: Es gibt einen Anfang und ein Ende der Welt. Und es gibt «etwas», das die Wissenschaft nicht erklären kann, das aber existieren muss, immer schon da war und immer bleiben wird.

Das Werk von Elisàr von Kupffer und Eduard von Mayer ist ein Beitrag zu dieser Suche.

Einen wissenschaftlichen Erklärungsversuch hat Eduard von Mayer in seinem Vortrag zur Spiraltheorie aufgezeigt.

Charles Morrerod, Bischof von Freiburg, Lausanne und Genf in der NZZ vom 5. August 2017: «Während Jahrhun­derten war die Schöpfungsgeschichte ganz einfach: sieben Tage, fertig. Dann kamen die Fragen. Kann dies das Wort Gottes sein? Bis sich das zweite Vatikanische Konzil dazu klar geäussert hat. Gott, als Autor seines Wortes, hat Menschen gewählt, die dieses in ihrer Kultur und in ihrem Stil niedergeschrieben haben. Gott hat sich zwar durch sie mitgeteilt, aber man muss verstehen, was die Worte bedeuten.»

Siehe auch Quantenphysik für Querdenker und Immer sehnsuchtsvoller schauen wir ins All von Philipp Theisohn, NZZ, 5. August 2017. Klarismus

Empfehlung, wie man durch «kaltes Wasser» herausfinden kann, ob eine Frau eine Hexe ist.
Herausgegeben von Jacobum Lucium, Helmstadt, 1584

Wie erkennt man das teuflisch Böse? Dazu gibt es allge­mein bekannte Beweisführungen: Vampire sind allergisch gegen Knoblauch und Silber. Wenn der Exorzisten-Priester Menschen, die vom Teufel besessen sind, mit Weihwasser besprüht, hinterlässt dies Brandspuren auf ihrer Haut. Und bei Hexen? Da gab es die Kaltwasserprobe: Die Ver­dächtige wurde ins kalte Wasser geworfen, schwamm sie oben, war in ihr das teuflische Feuer. Blieb sie unten, war das nicht der Fall, die Ertrunkene konnte man, Gott sei Dank, ohne auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, ganz normal zu Grabe tragen. Und das waren «Erkenntnisse» von Doktoren und Professoren! Ähnlich abstruse Unter­suchungen gab es auch für Männer, die der Sodomie (mann-männlicher Verkehr) verdächtig wurden.

Esra liest dem Volke das Gesetz vor.
Gustave Doré, Buchillustration, Holzstich, 1866

In der christlichen Bibel gibt es sechs Stellen, welche Homosexualität verurteilen. Klar und unmissverständlich in Leviticus 18.22 und 20.13, etwas ungenau in Genesis, wo der Besuch der Engel, Vollstrecker von Gottes Willen und von überirdischer Schönheit, im Sündenpfuhl Sodom beschrieben wird. In den Versen 19.4–5 steht geschrieben: «Sie hatten sich noch nicht schlafen gelegt, da umstellten die Männer der Stadt, die Männer von Sodom, das Haus, Jung und Alt, das ganze Volk bis zum letzten Mann. Sie riefen nach Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer [Engel], die heute Abend zu dir gekommen sind, gib sie uns heraus, wir wollen mit ihnen verkehren.» Dies war der Beweis für die Verdorbenheit der Stadt. Am nächsten Morgen, nachdem die Engel Lot und seine Familie aus der Stadt hinausbegleitet hatten, liess Gott Feuer und Asche über die Stadt regnen.

Die Geschichte von Lot, dem Gerechten, geht aber weiter: Genesis 19.30–38: «Lot aber zog von Zoar hinauf und liess sich mit seinen beiden Töchtern im Gebirge nieder, denn er fürchtete sich, in Zoar zu bleiben. Und er wohnte mit seinen beiden Töchtern in einer Höhle. Da sprach die Ältere zur Jüngeren: Unser Vater ist alt, und es ist kein Mann mehr im Land, der zu uns kommen könnte, wie es in aller Welt Brauch ist. Komm, wir wollen unserem Vater Wein zu trinken geben und uns zu ihm legen, damit wir von unserem Vater Nachkommen erhalten. So gaben sie ihrem Vater in jener Nacht Wein zu trinken. Dann ging die Ältere hinein und legte sich zu ihrem Vater, und er merkte weder, wie sie sich hinlegte, noch, wie sie aufstand. Am anderen Tag sprach die Ältere zur Jüngeren: Sieh, ich habe gestern Abend bei meinem Vater gelegen. Wir wollen ihm auch heute Nacht Wein zu trinken geben. Dann geh du hinein und lege dich zu ihm, damit wir von unserem Vater Nachkommen erhalten. So gaben sie ihrem Vater auch in jener Nacht Wein zu trinken. Dann stand die Jüngere auf und legte sich zu ihm, und er merkte weder, wie sie sich hinlegte, noch, wie sie aufstand. So wurden die beiden Töchter Lots schwanger von ihrem Vater. Und die Ältere gebar einen Sohn und nannte ihn Moab. Er ist der Stamm­vater von Moab bis auf den heutigen Tag. Und auch die Jüngere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben-Ammi. Er ist der Stammvater der Ammoniter bis auf den heutigen Tag.»

Wie dieser im Detail beschriebene Inzest zu deuten ist, dazu hat kein Scholastiker je etwas gesagt. Anders für das Verlangen, mit dem überirdischen Schönen vereint zu sein – ein Grundbedürfnis des Menschen – aber kein Grund­recht – darüber gibt es unzählige Abhandlungen und jahrhundertlange Verfolgungen.

Römerbrief 1.26–27 «Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.» Wahrscheinlich verurteilt hier Paulus Formen der griechisch-römischen Tempelprostitution. Aber ohne zu wissen, was das war, kann dieser Text nicht richtig ausgelegt werden.

Erster Korintherbrief 6.9–10 «Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Läs­te­rer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben».

Erster Brief an Timotheus 1.10 «Unzüchtige, Knaben­schänder, Menschenhändler, für Leute, die lügen und Meineide schwören und all das tun, was gegen die gesunde Lehre verstösst».

Vergleich der verschiedenen Bibelübersetzungen

Dazu gibt es in der Bibel noch die Geschichte von David und Jonathan, die man als homoerotische Beziehung interpretieren kann, es aber nicht sein muss!

Anders die Textstellen zu Johannes, dem Lieblingsjünger Jesus’. Jesus, die Inkarnation Gottes, die Offenbarung Gottes in menschlicher Gestalt, in seiner Liebe in irgend einer Form homoerotisches Empfinden zu erkennen ist genau so falsch, wie einige Evangelikale versuchen, die Begegnungen Jesus mit Maria Magdalena als hetero­se­xuelle Beziehung zu sehen.

Zeremonie des Ku-Klux-Klan, 2005

Der Klan wurde 1865 gegründet. Sein Ziel ist eine rein weisse, protestantische, «saubere» Gesellschaft. Seine Gewalttaten richteten sich vor allem gegen Schwarze Politiker und deren Beschützer, aber auch gegen Katho­liken, Juden und Latinos. Rund 2000 Leute wurden in den Anfangsjahren ermordet. 1872 löste sich die offizielle Organisation angesichts polizeilicher Massnahmen auf.

1915 erfolgte die Neugründung als Massenorganisation, die in 1920er Jahren zu einer mächtigen Geheim­or­ga­ni­sation heranwuchs, der es gelang, Richter, Sheriffs und Bürgermeister klanfreundlich zu stimmen. Der Klan zählte auf dem Höhepunkt seines Einflusses um 1924 rund 4,5 Mio. Mitglieder, darunter angesehene Politiker im Senat und im Repräsentantenhaus. Seine Zeichen sind das brennende Kreuz, weisse Kutten und Kapuzen mit Seh­schlitzen im Stile der Geheimgerichte der Inquisition, damit niemand sie erkennen kann, auch nicht unter­einan­der. Das Morden und die Einschüchterung von miss­lie­bigen Leuten ging weiter.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts schätzte man die Mit­glie­derzahl auf 5000. In den letzten Jahren wurden mehr als 180 Kirchen afroamerikanischer Gemeinden durch Brandanschläge zerstört. Es wird vermutet, dass radikale Mitglieder des Ku Klux Klans an diesen Brand­an­schlägen beteiligt waren.

Das zerschossene russische Kriegsschiff Retwisan im Hafen von Port Arthur (Lüshunkou, China)

Die Niederlage der Russischen Armee im Krieg gegen Japan hat viel zum Untergang des Zarenreiches beige­tra­gen. Elisàr von Kupffer fühlte sich als Deutscher. Doch seine Herkunft aus Estland, damals Teil des Russischen Reiches mit Sonderstatus, liess ihn Fremder sein im Deutschen Reich. Nach dem Angriff Deutschlands auf Russland im ersten Weltkrieg, wurden die Deutschen aus Estland vertrieben. Er fand seine Heimat im Tessin.

Natürliche Schöpfungslehre,
Die Familienguppe der Katarrhinen.
Ernst Haeckel, Erstausgabe, 1868

Das Titelbild dient zur anschaulichen Erläuterung der höchst wichtigen Tatsache, dass in Bezug auf die Schädel­bildung und Physiognomie des Gesichts die Unterschiede zwischen den niedersten Menschen und den höchsten Affen geringer sind, als die Unterschiede zwischen den niedersten und höchsten Menschen … die niedersten Menschen (Fig. 4, 5, 6) stehen offenbar den höchsten Affen (Fig. 7, 8, 9) viel näher, als den höchsten Menschen (Fig. 1). Haeckels Erklärung des Titelbildes

1. Indogermane (Mann)
2. Chinese (Mann)
3. Feuerländer (Mann)
4. Australneger (Mann)
5. Afroneger (Weib)
6. Tasmanier (Weib)
7. Gorilla (Weib)
8. Schimpanse (Weib)
9. Orang-Utan (Mann)
10. Gibbon (Mann)
11. Nasenaffe (Mann)
12. Mandril-Pavian (Mann)
Ernst Haeckel, Evolution of Men.
Illustration aus der 2. englischen Ausgabe, 1892

Die populärwissenschaftliche Darstellung von Darwins Evolutionstheorie und deren Erweiterung mit einer Abstammungslehre des Menschen waren ein riesiger publizistischer Erfolg. Das Buch wurde in 25 Sprachen übersetzt. Die heutige Generation kann den Einfluss, den Haeckel durch diese Bücher auf die Gedankenwelt der Jugend, von Laien im allgemeinen und auch auf einen grossen Teil der Wissenschaft ausübte, kaum mehr ermessen. Es war eine «wissenschaftlich» daherkom­mende Erklärung für rassistisches Gedankengut, die noch bis heute nachwirkt. Die Evolutionstheorie Darwins bewirkte auch eine tiefe Verun­sicher­ung im christlichen Glauben – Elisàr von Kupffer versuchte einen neuen, anderen Weg aufzuzeichnen.

Die Natürliche Schöpfungsgeschichte von Haekel zum Download als PDF aus der ETH-Bibliothek

Karl Marx

Zusammen mit Friedrich Engels ist Karl Marx der einfluss­reich­ste Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Um die Bedingungen für die kommunistische Bewegung zu erfassen, bemühte sich Marx um eine grundlegende ökonomische Analyse der kapitalistischen Gesellschaft. Sein 2200 Seiten umfassendes dreibändiges Hauptwerk Das Kapital erschien ab 1867. Darin vertritt er die These, die Akkumulation des gesellschaftlichen Reich­tums erfolge im Kapitalismus über die Ausbeutung frem­der Arbeits­kraft. Der Kapitalist zahle dem Arbeiter nur einen Teil des von ihm im Produktionsprozess geschaf­fenen tatsäch­lichen Wertes aus – der reale Wert der Arbeit komme nicht der Gesellschaft zugute, sondern werde privat angeeignet.

Daneben schrieb er Abhandlungen über historische Ereignisse. Sein Fazit: «Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen.» Für ihn wird der Arbeiter ausgebeutet, ist zum seelen­losem Tun gezwungen und darum: «Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herz­losen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.»

Marx definiert zwei Hauptklassen der Gesellschaft: Einer­seits die Bourgeoisie, die Klasse der Kapitalisten, welche die zur Produktion notwendigen Produktionsmittel Boden, Fabriken, Maschinen usw. besitzt. Diese Klasse setzt Marx auch mit der «herrschenden Klasse» gleich. Andererseits das Proletariat, die Klasse der Arbeiter, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen und deshalb gezwungen sind, Lohnarbeit zu verrichten, um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen.

Die dritte Klasse ist für ihn das Kleinbürgertum, Klein­unter­nehmer und Selbständige. Die vierte das Lumpen­pro­letariat aus Obdachlosen, Bettlern und Tagelöhnern. Diese beiden Klassen sind für Marx aber unwesentlich.

1848 war Marx Mitverfasser des Manifest der kommu­nis­ti­schen Partei mit dem Titel: «Proletarier aller Länder vereinigt euch.» Darin wird postuliert, um die klassenfreie Gesellschaft zu verwirklichen, brauche es die «Diktatur der Proletariats».


Michail Alexandrowitsch Bakunin schieb 1873 aus dem Schweizer Exil In Minusio dazu:

«Sie versichern, das allein die Diktatur, natürlich die ihre, die Freiheit des Volks schaffen kann; wir dagegen behaupten, dass eine Diktatur kein anderes Ziel haben kann, als nur das eine, sich zu verewigen, und dass sie in dem Volk, das sie erträgt, nur Sklaverei zeugen und nähren kann.»

Wie Recht er haben sollte!

 

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