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Die Zukunft der Natur

Vorwort

Jedes Werk ist ein Brief an unbekannte Empfänger – ein per­sön­liches Wort des Verfassers, das auch persönlich auf­ge­nom­men werden will.

Ich weiss sehr wohl, dass zunächst nur Wenige fühlen werden, dieses Sendschreiben sei an sie gerichtet; aber ich weiss noch sicherer, dass dereinst deren mehr und mehr sich finden werden und so mein Buch seine Aufgabe erfüllen wird: im öffentlichen Bewusstsein der Menschheit die befreiende Kunde des Klarismus an den ihm gebührenden Platz zu stellen, der ihm vom quälenden Wahne noch verwehrt wird. Jeden ehrlichen Gegenangriff werde ich aufmerksam berücksichtigen, über andere wird dereinst die Geschichte des Rückschritts berichten.

So abhold ich Fremdworten bin, besonders tönenden Schlagworten, so habe ich doch ihm physikalischen Teil des Werkes eine Gruppe neuer Ausdrücke einführen müssen, um ganz bestimmte Erscheinungen knapp zu bezeichnen.

Und was das Wort «Klarismus» betrifft, so ward es im August 1911 bei der ersten Vereinigung von Klaristen in Wei­mar gewählt, um den Klarglauben eine übervölkisch ver­ständ­liche Bezeichnung zu geben.

Dieses Werk ist durch sechzehn Jahre gereift und sein erstes Werden liegt noch weitere elf Jahren zurück. Was von mir in der Zeit erschienen ist, behandelte Einzelfragen der Rasse, Kultur, Kunst, Technik und Natur, ging aber immer so auf die Kernfrage nach dem Willenssinn des Lebens, dass sie unmittelbare Einleitungen zu diesem Werke sind. So habe ich denn auch bei solchen Einzelfragen hier mehr auf die früheren Forschungen hingewiesen, als sie nochmals ausgeführt; ande­rer­seits musste ich manchen wichtigen Punkt mehrmals be­rühren, wenn die «spiralische» Darstellung der «Irrgängen des Geis­tes» eben wieder, geförderten Blickes, die grossen Lebens­li­nie berührte.

Diese habe ich durchwegs im Auge gehabt.

Ich bekenne es gern, dass Elisarion darin mein Berater gewesen ist. Ich habe dieses Buch, mein Lebensbuch, mit ihm durchgesprochen und wieviel seinem klaren scharfen Geiste in Klärung Hinweis und Einwand zu danken habe, vermag ich gar nicht zu sagen. Statt dieses Werk nun ihm persönlich zu wid­men, wie sonst mein Dank mich hiesse, widme ich es seinen Lebenswerke, dem zu dienen ich nicht nur als Pflicht, sondern auch als mein gutes, edelstes Recht betrachte.

 

März 1914

Dr. Eduard von Mayer

Nachwort

Der Unzulänglichkeiten meines Werkes, das ich als Ganzes sehr hoch einschätze, bin ich mir ehrlich bewusst. Es handelte sich für mich darum, mit dem Lichte der Klaren Kunde – Eigen­wesenheit und ewige Zwieordnung – weite Lebensgebiete wie mit einem Scheinwerfer abzuleuchten; da mussten viele bedeutende Einzelfragen undurchprüft bleiben, und die künf­tigen Fachforscher werden manches zu berichtigen und viel zu ergänzen haben – um so mehr, je bewusster sie auf dem Boden der klaristischen Erkenntnis stehen werden. Ausserdem musste ich, da mein Werk von der Zukunftswissenschaft zunächst nicht berücksichtigt werden wird, mich an alle suchenden Geis­ter ausserhalb der Fachschranken wenden, und durfte also nicht mehr Einzelkenntnisse voraussetzen, als der mittlere Gebildete besitzt und der minder Gebildete in jedem Kon­ver­sa­tions­lexikon nachschlagen kann; so stelle ich zwar an regen und klaren Verstand und Willen des Lesers hohe Ansprüche, aber geringe an seine Vorkenntnisse und musste manches ausführlicher darstellen. Endlich habe ich bis zu allerletzt noch mögliche Einwände oder einseitige Folgerungen erwägend einbezogen und die Hauptlinien der Einsicht wie­der und wieder unterstrichen, so auch in der erotischen, sexuellen und der Rassenfrage, die allzu einschneidend das persönliche und gemeinsame Leben bestimmen, ehe nicht Ehrlichkeit und Vernunft den Lügengeist der Masse überwinden. Aus all dem sind Kürzen und Längen in der Darstellung entstanden; dazu kommt, dass mein, des Selbstgesprächlers, Werk durchaus ein gesprochenes ist und eigentlich laut gelesen werden müsste, um die rhythmischen Stilwerte herzugeben – so ergibt sich der Gegenfehler der oft gerügten «Buchsprache». Ich fühle das selbst unliebsam, und konnte es doch bei allem Streben nach künstlerisch ausgeglichner Darbringung der klaristischen Gedankenwelt nicht vermeiden. Mein Hauptzweck war auch der, alle Willenskräftigen um das Banner der Klaren Kunde Elisarions zu scharen, deren Verfechtung mir zur schönsten Lebensaufgabe geworden, die je einem Menschen wurde; frei­lich musste ich ihr von mir aus gerecht werden.

Die Irrgänge des Geistes

Die Zukunft der Natur,
Eduard von Mayers Lebenswerk in vier Bänden